Die Fahrt von Whitianga nach Thames dauerte nicht sonderlich lang. In Thames direkt gibt es leider kein Hostel, deshalb mussten wir in einen Holiday Park etwa 5 Kilometer nördlich. 

Da wir keine Lust hatten, die Strecke mit Gepäck zu laufen, brachten wir die Strecke per Anhalter hinter uns – für uns beide das erste Mal. Es dauerte ungefähr 10 Minuten, bis eine ältere Dame vom Haus gegenüber auf uns zu kam, sagte sie müsse noch kurz etwas erledigen und würde uns dann mitnehmen, erst danach hat sie gefragt wohin. Also fuhr uns diese Dame ein paar Minuten später ohne dass sie in die Richtung hätte müssen bis direkt zur Rezeption des Holiday Parks, ein super Service! Der Holiday Park an sich war recht klein, dafür aber gemütlich. Nach einer Erkundung des Campingplatzes entschlossen wir uns, da der Tag noch nicht besonders weit fortgeschritten war dazu, einen Walking Track zu laufen, der direkt am Campingplatz anfing. Ausgeschrieben war er mit drei Stunden. Knapp über Meereshöhe beginnend, ging es immerhin auf 350 Meter hinauf. Während des Weg bis zum Aussichtspunkt ganz oben ging es stetig ziemlich steil bergauf durch den Wald. Oben angekommen trafen wir tatsächlich auf andere Menschen. Nach einer längeren Pause machten wir uns auf den deutlich anstrengenderen Weg nach unten. Die Schattenseite des Berges war noch sehr matschig. Gepaart mit einigen Bachüberquerungen und einem Abstecher in eine kleine Höhle entwickelte sich der Abstieg daher zu einer Dschungelexpedition. Trotz eines am Ende nassen Fußes war es eine sehr coole Wanderung! Abends gab es dann improvisierten aber trotzdem sehr leckeren Kaiserschmarrn, bevor wir relativ früh ins Bett sind, da am nächsten Tag die Pinnacles-Wanderung anstand.

Recht früh machten wir uns also am Sonntag, den 23. Oktober auf den Weg zu den Pinnacles. Der Walk beginnt an einem Parkplatz, der von Thames etwa 20 Kilometer landeinwärts führt. Das ist definitiv zu weit zum laufen, daher versuchten wir uns direkt ein weiteres mal mit Hitchhiking. Bis zum Carpark hatten wir drei Fahrer. Der erste, ein gut gelaunter Kiwi, nahm uns mit nach Thames. Innerhalb Thames liefen wir dann zur Straße, die durch das Kaueranga Valley entlang des gleichnamigen Flusses führt. Von dort nahm uns eine Frau mit bis zum Visitor Centre, das ungefähr auf halber Strecke liegt. Auch sie war sehr nett und erzählte mir von HelpX, einem Online-Portal, bei dem Leute Backpacker bei sich zu Hause für eine bestimmte Zeit gegen Hilfe im Garten oder Haushalt aufnehmen. Die letzten paar Kilometer erwischten wir ein chinesisch-stämmiges Paar aus Auckland, die nicht besonders gesprächig waren. Nach knapp zwei Stunden (inklusive Kekse kaufen) hatten wir die Strecke also bewältigt. Das Hitchhiken war kein Problem, wir mussten eigentlich nirgends lange warten. 

Wir hatten uns einen Sonntag mitten im verlängerten Wochenende herausgesucht, am Montag ist Tag der Arbeit. Dementsprechend viel los war auf dem Track. Gleich am Anfang gab es Stau vor einer Hängebrücke über den Kaueranga River. Danach ließ es sich aber recht gut in unserem Tempo laufen. Der Weg ist wirklich schön, zunächst geht es ausschließlich durch native bush, weiter oben geht der Wald dann in Buschlandschaft über. Bevor es richtig hoch zu den Pinnacles, so heißt die Felsformation ganz oben, geht, kommt man an der Pinnacles Hut vorbei. Wer komplett außen rum zurück laufen will, kann hier übernachten, für den Sonntag war die Hütte allerdings komplett ausgebucht. Nach einer kurzen Pause ging es dann voll hinauf, zunächst über immer steiler werdende Treppen, kurz vor dem Gipfel wurde es dann eine richtige Kletterpartie. Am höchsten Punkt angekommen hat sich der Aufstieg aber definitiv gelohnt, man hat einen Panoramablick in alle Richtungen und sieht sogar auf beiden Seiten das Meer. Beim Abstieg nahmen wir wieder einen anderen Weg. Dieser führte an riesigen Bäumen mit mindestens zwei Meter Durchmesser, über weitere Flüsschen, einem Wasserfall, einer Camping site mitten im Nichts und einer Bahnschiene vorbei. Eine kurze Erklärung zu letzteren: Ähnlich wie im Northland waren auch hier früher Gumdiggers unterwegs, die nach Kauri-Bernstein gesucht haben. Dafür wurden extra Schienen gebaut, um die Stämme aus dem Wald abzutransportieren. Teile dieser alten Bahnanlage wurden in den Wanderweg umfunktioniert. 

Nach einigen Stunden waren wir dann wieder am Parkplatz angekommen. Für 10 Minuten kam kein einziges Auto vorbei, und wir fürchteten schon, dass wir die letzten sind, die nicht auf der Hütte übernachten wollen. Zum Glück kamen dann noch zwei Holländer vorbei, die bester Laune waren und uns beim Supermarkt in Thames abgesetzt haben. Da es schon dunkel wurde und daher schwierig mit Hitchhiking, liefen wir die letzten paar Kilometer zurück zum Campingplatz. Es war eine sehr schöne Wanderung mit genialen Ausblicken und sehr viel Natur!

Am Montag in aller Frühe ist der nächste Stopp dann die größere Stadt Hamilton, wo Ilarias Gastfamilie wohnt.

 

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