Vom 1.11 bis zum 19.11. war ich bei Dan und Jennie in Rotorua als HelpXer.

HelpX ist (neben Workaway und WWOOF) eine Organisation, die zwischen Familien, die Hilfe im Haushalt, Garten oder auf einer Farm brauchen, und Backpackern vermittelt. Gegen i.d.R. vier Stunden Arbeit am Tag werden Unterkunft und Verpflegung gestellt. Dan und Jennie haben Mitte September einen Sohn, Ethan, bekommen. Dan ist zudem seit kurzem selbstständig als Mountainbike-Zubehör Reseller. Außerdem wohnt auch noch Allie, eine sehr verspielte Labrador/Terrier-Mischlingshündin, im Haus. Um das alles zu bewältigen, holen sich die beiden seit Mitte Oktober HelpXer ins Haus. Ich muss mich weniger um Haushalt, Garten und Kochen kümmern, stattdessen durfte ich meiner gelernten Tätigkeit als Informatiker nachgehen. Der Online-Shop für den Reseller Store ist noch im Aufbau. So verbrachte ich meine vier Stunden täglich damit, in HTML, CSS und JavaScript das Template anzupassen, Content von verschiedenen Herstellern zusammenzusuchen und einzupflegen, Extensions für Shopify zu suchen und zu konfigurieren und was sonst noch so nötig ist, um eine Webseite aufzubauen.

Dan und Jennie haben mich und die anderen HelpXer, die parallel noch da waren, in ihr Familienleben mit einbezogen. Ich konnte also erstmal wirklich sehen, wie es sich als Kiwi so lebt. Das typisch neuseeländische Essen, das aus viel Fleisch besteht, gab es hier (zum Glück) nicht: Die beiden leben vegan. Außerdem gehören sie dem Baha'i Glauben an. An meinem zweiten Abend haben die beiden mich und Martha, eine andere Deutsche, die zeitgleich hier war, zu einer kleinen Feier anlässlich des Geburtstags eines Propheten mitgenommen. Die Baha'i der Gegend haben sich in einem Wohnhaus eines anderen getroffen, ein paar Kinder haben Texte vorgelesen, und danach gab es Essen am großen Buffet, zu dem jeder etwas mitgebracht hatte. Es war eine sehr lockere Stimmung, die Baha'i sind sehr offen. Genausogut hätte es ein Familienfest einer Großfamilie sein können.

Auch am Donnerstagabend gab es Programm. Ein Freund von Dan und Jennie nahm mich mit zum Trommeln. Die Runde bestehend aus einem Dutzend Leuten, querbeet durchgemischt von 18 bis circa 70. Alle hatten Trommeln, Bongos, Tamburine und ähnliche Schlaginstrumente dabei, die auch durchgewechselt wurden. Es gab nicht wirklich ein System, jeder hat den Rhythmus getrommelt der ihm gerade in den Sinn kam, trotzdem hörte sich das ganze wirklich gut an. Auch etwas, was man nicht alle Tage macht!

Da Dan passionierter Biker ist, hat er eine ansehnliche Sammlung an Fahrrädern daheim. Eines davon, ein Specialized Mountainbike, durfte ich für meine Zeit hier benutzen. Am Freitag habe ich eine erste Spritztour damit gemacht. Es ging zunächst nach Rotorua City, von dort aus die Highway entlang bis zur nächsten Stadt und von dort durch das Paradise Valley zurück nach Rotorua. Diese Straße ist kaum befahren und führt um den Mount Ngongotaha (immerhin 750m hoch) herum durch wunderschöne Landschaft. Insgesamt knappe 30km, die sich auf jeden Fall gelohnt haben. Das Fahren im Linksverkehr war dabei überhaupt kein Problem, wahrscheinlich auch weil ich mich in der Zeit in Neuseeland schon dran gewöhnt habe. 

Mein Wochenende war recht entspannt. Am Samstag war ich mit ein paar Leuten, die ich mit Hostel kennen gelernt hatte, in der Lavabar in Rotorua City. Einen riesigen Unterschied zu deutschen Clubs gibt es nicht, außer dass um halb 3 Schicht im Schacht ist. Und dass es kostenloses Trinkwasser gibt, sogar inklusive Eiswürfeln. Eine sehr coole Einrichtung!

Am Montag meiner zweiten Woche kamen dann neue HelpXer, Patricia und Carolin, auch aus Deutschland. Zusammen mit den beiden habe ich einige Ausflüge gemacht. Direkt am Dienstag sind wir mit Allie zum Blue Lake gefahren. Dort war ich ja bereits zum Grillen, ich bin allerdings noch nicht den Wanderweg, der einmal um den See herum führt, gelaufen. Vom anderen Ende kann man auch den Green Lake sehen, der noch etwas größer, aber geschützt und daher nicht zum Baden geeignet ist. Wir, und vor allem Allie, hatten viel Spaß bei der Wanderung durch den Busch. Allie bahnte sich ihren eigenen Weg quer durch alle Büsche und sprang mehr als nur einmal auch ins Wasser. Da wir uns viel Zeit ließen und auch noch zwei andere Deutsche getroffen haben mit denen wir noch eine Weile gequatscht haben, waren wir erst recht spät wieder bei Dan und Jennie.

Der Mittwoch stand dann im Zeichen des Kiwis. Rainbow Springs ist ein Vogel-, Fisch- und Reptilienpark in Rotorua. Neben vielen Infos und Modellen gibt es dort auch echte Kiwis zu sehen. Da diese nachtaktiv sind, werden die Tageszeiten im kiwi house umgedreht: tagsüber ist es dunkel; nachts wird das Haus beleuchtet, um Tageslicht vorzutäuschen. Die Kiwis hüpfen mega witzig durch die Gegend und sind echt süß. Hoffentlich sterben sie nicht bald völlig aus!! Neben Tieren gibt es auch noch eine kleine Wasser"achter"bahn im Park, die ganz witzig war, wenn natürlich nicht vergleichbar mit Achterbahnen z.B. im Europapark.

Abends waren wir dann auf der Backpacker Night eines Reisebüros. Als Promo-Aktion veranstaltet das Peter Pans jeden Mittwoch eine Party in der Lavabar, dabei gibt es Pizza und ein Freigetränk für alle, und außerdem bei Mini-Spielen Gutscheine für Rafting, Waitomo Caves, Zorbing und ähnliches zu gewinnen. Eine richtig coole Sache!

Am Freitag fuhren mich die Mädels nach Tauranga. Sie waren dort schon bei einer anderen Familie, über die sie mitbekommen haben, dass eine Freundin dort ein Auto verkauft. Da ich das Projekt Fahrrad inzwischen aufgegeben habe, ergriff ich die Chance und schaute mir das Auto an. Es ist ein Honda Avencier, Baujahr 2000 mit 175.000km. Für ein Backpacker-Auto ist das nicht allzu viel, die meisten Autos hier haben mehr auf dem Buckel. Nach einer Probefahrt war ich sehr zufrieden mit dem Auto, wollte mich aber noch mit Alfred absprechen. Alfred hatte ich in Whangarei kennen gelernt, und wir haben beschlossen, dass wir das Auto zusammen kaufen. In der Zwischenzeit fuhren wir zum Mount Maunganui Beach. Bei dem starken Wind und den nicht allzu warmen Temparaturen wollte keiner baden gehen, es war aber auch so sehr schön am Strand und entlang der Felsen. Die Autoverkäuferin meldete sich dann kurz bevor wir schon zurück fahren wollten, ich könnte das Auto haben und direkt abholen. Also brachten mich die Mädels wieder zurück zum Haus und fuhren zurück nach Rotorua. Allerdings stellte sich dann heraus, dass diese Sandra mir das Auto nicht mitgeben wollte, ohne dass ich sie vorher in Bar bezahlt hätte. Als ob jemand zu einer Besichtigung das komplette Geld in Bar mitbringen würde! Da ich an einem Tag nicht soviel auf einmal abheben kann, war ich also erstmal in Tauranga gefangen. Caro und Patty waren schon zurück gefahren und per Handy nicht zu erreichen. In meinem unverschämten Glück traf ich eine Kiwi, die gerade erst ein neues Auto gekauft hatte und mich spontan nach Rotorua gefahren hat, weil sie Lust auf einen Roadtrip hatte. Mal wieder ein Beweis dafür, dass die Neuseeländer einfach unglaublich coole Leute sind!!!

Am Sonntag wechselten Caro und Patty die Familie. Dafür war wieder Trommelzeit. Diesmal traf man sich bei einem Mann zu Hause, der direkt am Lake Rotorua wohnt. Im Garten an einem kleinen Feuer zu trommeln und dabei dem immer höher steigenden Mond zuzuschauen war fast schon magisch. Es waren noch mehr Leute als am Donnerstag zuvor da, und es klang auch wirklich gut! 

Der Montag stand im Zeichen des Mountainbikes. Zusammen mit Dan durfte ich den TimberTrail fahren, dazu folgt aber noch ein eigener Blog!

Am Dienstag durfte ich mein Auto abholen. Da ich auf den Fernbus angewiesen war, musste ich um kurz nach 4 nachts aufstehen, was macht man nicht alles für ein Auto! Der Kauf an war in 5 Minuten abgeschlossen, ich hab also jetzt ein Auto!! Es fährt sich wirklich gut, bis jetzt bin ich sehr zufrieden mit meiner Anschaffung. Am Nachmittag hab ich dann noch etwas Bürokratie-Kram erledigt, das Auto neu registriert und eine Versicherung besorgt. 

Der Mittwoch und Donnerstag waren wieder ruhigere Tage. Am Freitag unternahm ich meinen letzten Ausflug in Rotorua: Zusammen mit zwei neuen HelpXern bin ich auf den Rainbow Mountain gelaufen, von dem aus man einen schönen Panoramablick auf die Umgebung von Rotorua mit vielen Seen hat. Im Anschluss ging es nochmal in die Hot and Cold Tub, und abends dann ins Kino. Obwohl die Fantastic Beasts zu diesem Zeitpunkt erst seit zwei Tagen im Kino waren, war der Saal erstaunlich leer. Mir solls recht sein!

Heute gehts dann weiter zu meiner nächsten HelpX-Familie nach Otorohanga in Waikato, sie haben eine kleine Farm wo ich dann mithelfen darf. Ich bin gespannt!

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