In der Zeit vor Weihnachten zeigte sich wieder einmal, dass Pläne dazu verurteilt sind, sich ständig zu ändern. Der Tag nach der Besteigung des Taranakis war komplett verregnet, also beschlossen Alfred und ich, in der Bibliothek von New Plymouth Unterschlupf zu suchen. Nach ein paar Stunden eröffnete er mir, dass er nachgedacht hat, und erkannt hat, dass Reisen doch nichts für ihn ist. Er werde zurück nach Auckland oder Wellington gehen, und sich einen festen Job für seine restliche Zeit in Neuseeland suchen. 

Diese Ankündigung kam für mich komplett plötzlich und unerwartet, hatten wir doch noch zwei Wochen zuvor zusammen die Campingausrüstung gekauft, und er hatte noch zwei Tage zuvor darauf beharrt, endlich die Fähre von Wellington auf die Südinsel zu buchen. Wir schliefen noch eine Nacht zusammen im Hostel, bevor ich im Auto alleine weiterzog, während er im Hostel zurück blieb. Am Abend zuvor hatte ich, um erstmal weiter zu planen, mir eine neue HelpX-Familie in Woodville in der Nähe von Palmerston North gesucht. Zunächst schaute ich mir, da es ausnahmsweise nicht regnete, New Plymouth einmal genauer an. Es ist eine sehr schöne Stadt, direkt am Meer verläuft der Coastal Walkway, der für Kilometer an der Küste entlang führt. Nachmittags fuhr ich weiter nach Whanganui in Richtung von Palmerston. Dort schlief ich eine Nacht auf einem Campingplatz, bevor ich am Montagmittag (12. Dezember) bei der Familie ankam. 

Sharon und Paul sind Ende 50 und haben zwei Kinder, die aber aus dem Haus sind. Vor ein paar Monaten haben sie in eine kleine Lavendel- und Feijoa-Farm gezogen. Die Schafherde auf der alten Farm ist übergegangen an den Sohn, Paul hilft dort aber immer noch mit. Kurz nach meiner Ankunft durfte ich dort beim Scheren zuschauen, mit paar geübten Griffen dauert das nur keine halbe Minute pro Schaf. Mein Hauptjob hier bestand im Unkrautjäten. Jede Lavendelbahn musste von allem was kein Lavendel ist befreit werden. Keine besonders schwierige, aber langwierige Arbeit, da es über 1000 Lavendelpflanzen sind. So war ich während meinen anderthalb Wochen hier damit ausgelastet. 

Auf dem Weg hierher bin ich bereits durch die Manawatu Gorge durchgefahren, die nicht weit von Woodville entfernt ist. Es handelt sich hierbei um eine ziemlich tiefe Schlucht, die der Manawatu River durch das Gestein gefressen hat. Am Mittwoch lief ich zum einen Ende der Schlucht entlang der Highway, um dann den 10km langen Gorge Walk zu durchlaufen. Dieser führt zunächst bis ganz oben. Die Mühen lohnen sich aber, von oben hat man einen genialen Ausblick auf die Schlucht, die vielen Windräder die es hier hat, und die umliegende Gegend. Nach der höchsten Stelle geht es leicht abwärts, immer wieder gab es zwischendurch aber auch Aussichtspunkte. Vom anderen Ende der Gorge bin ich dann nach Woodville zurückgetrampt.

Am Wochenende musste ich hier nicht arbeiten. Stattdessen nahmen mich die beiden mit auf ihre Sommerhütte. Über Weihnachten werden sie dort zwei Wochen verbringen, und sie wollten schon mal Vorräte, Weihnachtsschmuck und ähnliches hinbringen. Netterweise haben sie mich mitgenommen ins kleine Paradies, das sich Tora Beach nennt. Es gibt dort kaum Sandstrand, stattdessen ist die Küste von Felsen gesäumt, die sich prima zum Klettern eignen. Hinter der Küste und einer Reihe Häuser geht es steil bergauf. Natürlich musste ich dort auch hoch. Einen Weg gibt es nicht, stattdessen kämpfte ich mich durch meterhohes Gras bei über 100% Steigung. Belohnt wurde ich mit einem famosen Ausblick (siehe Bilder). 

Drei weitere Tage, bis zum 21. Dezember, werde ich noch hier bleiben, und dann über Weihnachten zurück nach Hamilton fahren um die Feiertage zusammen mit Ilaria zu verbringen.

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