Über den Arthur's Pass führt eine der nur drei Straßen, die die Südalpen überqueren. Von Hokitika aus fuhr ich wieder ein Stück nach Norden, um dann die Westküste zu verlassen. Von Meereshöhe ging es auf 740 m hinauf. Das Arthur's Pass Village, eine kleine Häuseransammlung kurz hinter dem höchsten Punkt der Straße, war mein nächstes Ziel. Mitten in den Alpen gelegen ist es der perfekte Startpunkt für subalpine und alpine Wanderungen.

Am 15. Februar kam ich nach knappen zwei Stunden Fahrt an und erkundete erstmal das Dorf und die nähere Umgebung. Es gibt ein Hotel, zwei Hostels, ein Supermarkt-Tankstellen-Cafe, noch ein weiteres Café, ein Restaurant, ein altes Bahnhofsgebäude und das Doc Visitor Centre. Damit wären auch schon praktisch alle Häuser abgedeckt. Die Cafés warnen davor, dass man sein Essen vor den Keas beschützen soll. Der Kea ist der einzige Papagei der Welt, der im Hochgebirge lebt, und ist nur auf der neuseeländischen Südinsel zu finden. Er ist an sich braun, hat aber grüne, blaue und rote Federn und ist wunderschön anzuschauen, wenn er seine Flügel aufspannt. Der Kea wird zu den klügsten Vögeln der Welt gezählt, benutzt Werkzeuge und benutzt jeden Trick, um an Essen zu kommen. Leider war es mir am Arthur's Pass noch nicht vergönnt, einen zu sehen.
Was ich allerdings gesehen habe, war ein atemberaubender Wasserfall, die Devil's Punchbowl Falls. Nur eine halbe Stunde Laufweg vom Dorf entfernt, stürzt das Wasser 131 m in die Tiefe. Der Weg dahin ist gesäumt von japanischen und chinesischen Touristen, da viele Reisebusse hier halten und ihre Fahrgäste zur Aussichtsplattform schicken.


In der Nacht schlief ich im Auto am Campingplatz direkt gegenüber der Info, eine der kältesten Nächte die ich in Neuseeland hatte bisher. Dafür zeigte sich am nächsten Tag der strahlend blaue Himmel - perfektes Wetter für eine Gipfelbesteigung. Mein Ziel war der Avalanche Peak, 1100 Höhenmeter in nur dreieinhalb Kilometer Strecke. So wie es klingt war der Weg auch: viel Klettern über Steine, Geröll und Grasland. Dennoch hat der Aufstieg viel Spaß gemacht. Ich lief zusammen mit einem Zahnarzt aus Christchurch, der anscheinend seit Wochen auf so perfektes Wetter gewartet hat, um auf den Gipfel zu laufen. Schon recht früh sieht man das ganze Dorf inklusive der Bahnstrecke unter sich, und auch den Wasserfall sieht man fast komplett. Weiter oben öffnet sich dann ein atemberaubendes Panorama über die Alpen in alle Richtungen. Der Zahnarzt kochte sich hier erstmal einen Tee (irgendwie sind die Kiwis im Herzen eben doch noch Engländer) und ich genoss die Aussicht. Nur ein Kea ließ sich leider nicht blicken.

In der Mittagssonne machten wir uns dann an den Abstieg, der erheblich kürzer dauerte. Kurzerhand entschloss ich mich danach, im Becken des Wasserfalls ein Bad zu nehmen. Das ist deutlich leichter gesagt als getan: das herabfallende Wasser erzeugt einen unglaublich  starken Wind, der die allgegenwärtigen Wassertropfen auf eine Geschwindigkeit beschleunigt, dass sie richtig weh tun. Bis auf ein paar Meter kam ich an das Becken heran, näher wollte ich dann nicht mehr. Trotzdem war ich natürlich klatschnass, sodass das eigentliche Ziel dann doch erreicht wurde.
Ich schlief nochmal auf dem Campingplatz, um am nächsten Tag wiederum zu wandern, diesmal ein paar Kilometer östlicher, den Bealey's Spur Track. Weit weniger bekannt als der Avalanche Peak waren hier entsprechend weniger Leute, nichtsdestotrotz war es eine richtig schöne Wanderung zunächst durch Buchenwald mit gelegentlichem Blick hinunter in eine tiefe Schlucht, durch die ein Fluss fließt. Direkt hinter der Baumgrenze findet sich eine süße kleine Backcountry Hut. Von oben dann schließlich eröffnete sich wieder ein Blick über die Alpen und auch den Avalanche Peak, den ich tags zuvor bestiegen hatte.

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