Am Morgen des 26. Februar verließ ich Wanaka und machte mich auf den ungefähr einstündigen Weg nach Queenstown. Queenstown ist berühmt als das Adventure Capital Neuseelands, hier wurde das Bungee-Jumping erfunden, und auch sonst kann man sich in allen möglichen Formen von allen möglichen Höhen stürzen. Obwohl mit nur 15.000 Einwohnern recht klein, wimmelt es nur so von Touristen, sodass die Stadt so voll ist wie wohl kaum eine andere in Neuseeland. Das liegt wohl auch daran, dass Queenstown als Stadt auch tatsächlich recht hübsch ist. Wie Wanaka liegt Queenstown an einem See, dem Lake Wakatipu, und ist gesäumt von Bergen.

Alleine schon die Fahrt von Wanaka nach Queenstown ist wunderschön. Zuerst schlängelt man sich in Serpentinen auf Passhöhe, um sich dann wieder runterzuschlängeln - mit Panoramablick auf Queenstown und die umliegenden Berge. Dann stellte sich zunächst mal das Problem der Unterkunft. Ich bin extra recht früh los, um in einem der Hostel mit Campmöglichkeit noch einen Platz zu ergattern. Leider waren um elf Uhr ein Hostel schon voll, das andere bietet anscheinend keine Zeltplätze mehr an, da laut dem Council zu viele Leute auf der Anlage übernachten können. Mit Glück und viel Durchtelefonieren bekam ich dann noch ein Hostelbett, allerdings nur für eine Nacht. Immerhin besser als nichts.
Am Donnerstagnachmittag erkundete ich dann die Stadt. Die Innenstadt wirkt mit Kopfsteinpflaster und tatsächlich einer Fußgängerzone - ich kann mich nicht dran erinnern, vorher in NZ schonmal eine gesehen zu haben - recht europäisch und freundlich. Die Lakefront lädt mit einem Strand und einer weitläufigen Wiese davor zum Verweilen ein, was gefühlt die halbe Stadt auch genutzt hat. Auf einer kleinen Halbinsel direkt an die Lakefront anschließend sind die Queenstown Gardens. Hier kann man Frisbee Golf spielen, wobei man mit Frisbees auf basketballkorbähnliche Ziele schießt. Wenn man getroffen hat, gehts weiter, eine richtig coole Idee!


Mein Queenstown-Highlight stand am Freitagmorgen an: Paragliding - mit einem bisschen Stoff über und nichts unter mir von einem Berg springen! In einer gemischten Gruppe von Amerikanern, Japanern und nochmal zwei Deutschen ging es zunächst im Bus hinauf auf den Coronet Peak. Mit 1.187 Höhe überragt dieser Gipfel, der im Winter eines der beliebtesten Skigebiete um Queenstown ist, die Stadt und den See. Von ganz oben sprang ich aber natürlich nicht. Mein Tandempartner war Tscheche, seinen Namen habe ich inzwischen leider vergessen. Ich war als Vorletzter der Truppe dran. Angst hatte ich keine, aber mega aufgeregt war ich! Mein Partner breitete den Fallschirm auf dem Boden aus, stellte sicher dass keine Schnüre verknotet waren und karabinerte sich ein. Ich setzte mich auf eine Art Sitzsack und hakte mich dann an den Profi an. Dann gings - bei einer leichten Prise und ansonsten perfektem Wetter - los! Beim Absprung gilt es so schnell wie möglich auf den Abgrund zuzurennen, um den Fallschirm nach oben zu bekommen. Nach ein paar Sekunden rennen waren wir dann tatsächlich in der Luft! Ich sollte es mir auf meinem Sitzsack gemütlich machen, die ganze Steuerung übernahm mein Partner. Anders als beim Skydive oder Bungee gibt es beim Paragliding keinen freien Fall. Trotzdem kommt das Gefühl unendlicher Freiheit auf, wenn man durch den Himmel schwebt, den Wind und in den Kurven die Fliehkräfte spürt. Über der Landezone angekommen, machten wir dann noch ein paar Tricks: Ein Looping mit Fallschirm fühlt sich vergleichbar an mit dem Gefühl in einer Achterbahn - nur dass man um sich herum nur Luft hat! Nach ungefähr 10 Minuten kam dann die Landung, die auch nochmal etwas Besonderes war. In einem Moment schweben wir noch mit circa 30km/h dahin, plötzlich sagt mein Partner "Stand up" und der Schirm ist abgebremst auf 0, und wir stehen. Na gut, zwei, drei Schritte auslaufen musste ich dann schon. Adrenalin auf Höchststand schaute ich dann noch, nachdem der Schirm zusammengepackt war, die Bilder und Videos an und fuhr dann mit dem Bus wieder in die Stadt.

Zurück in Queenstown entschied ich mich, bei einer Stadtrundtour mitzumachen. Mark, ein echter Queenstowner, führte unsere kleine Gruppe von sieben Leuten herum. Neben der Lage der Sehenswürdigkeiten wie dem War Memorial, der alten Bibliothek und der Art Gallery wurde eine Unmenge an Hintergrundwissen zur Geschichte Queenstowns vermittelt. Am Lake Wakatipu siedelten sich die Maori schon vor vielen Jahrhunderten an. Hier gibt es - bzw. gab es - große Vorkommen an Pounami bzw. Greenstone, den die Maori als Allzweckmaterial verwendet haben: Für Werkzeuge, Waffen sowie auch Schmuck. Während auf der Nordinsel Dutzende Iwis (Stämme) lebten die sich gegenseitig bekämpften, gab es auf der Südinsel nur drei große, die friedlicher lebten und vor allem Pounami gegen Lebensmittel handelten. Die erste Siedlung von Europäern an dem Ort, wo heute Queenstown liegt, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts zu Zeiten des Goldrausches gegründet. Damals hieß die hastig errichtete Siedlung die innerhalb weniger Monate explodierte, schlicht "The Camp". Angeblich wurde im Rat der Stadt später der Name geändert, weil die Lage der Stadt zwischen dem See und den Bergen "der Königin würdig" ist, daher der Name Queenstown. Die Hauptstraße durch das Zentrum heißt auch heute noch Camp Street.
Auch eine alte Maori-Sage hatte Mark parat. Derzufolge lebte hier einmal ein Riese, der ein Mädchen aus einem Maori-Dorf entführt hatte. Ein Junge kam sie zu retten und schaffte es natürlich auch. Um vorzubeugen, dass der Riese zurück kommt, entzündete er ein riesiges Feuer um den schlafenden Riesen. Die Z-Form des Lake Wakatipu entspricht den Umrissen des Riesen. Nachdem er komplett verbrannt ist, füllte sich die Kuhle mit Wasser.
Am Ende der Tour gingen wir dann noch zusammen einen Fergburger essen, ein unglaublich gehypter Burgerladen im Zentrum. Zumindest der Soja-Burger schmeckte nach gar nichts.
Der lange Tag war noch nicht zu Ende. Nachmittags machte ich mich an den Aufstieg der Queenstown Gondola. Eine - wie übrigens alles in Queenstown - völlig überteuerte Seilbahn führt auf einen der angrenzenden Berge, man kann allerdings auch durch den Wald den Berg erklimmen, was ich natürlich gemacht habe. Ich wurde mit einem Panoramablick über die Stadt belohnt.

Kurz vor Sonnenuntergang fuhr ich dann ein paar Kilometer außerhalb der Stadt zu einem Campingplatz, da ich kein Hostelbett mehr gefunden hatte für diesen Tag. Das war allerdings nicht schlimm, da ich mit einem wunderschönen Sonnenuntergang über dem See belohnt wurde.

Noch einen weiteren Tag verbrachte ich in bzw. um Queenstown. Ich lieh mir ein Mountainbike aus und fuhr damit nach Arrowtown, ungefähr 30km entfernt. Zunächst ging es entlang des Sees nach Frankton, wo neben dem Flughafen auch alle größeren Supermärkte und Einkaufszentren liegen. Von Frankton fuhr ich entlang des Kawarau Rivers, ein fast unnatürlich blauer Fluss, der aus dem Lake Wakatipu entspringt.

Vorbei am Lake Hayes ging es dann nach Arrowtown. Vor dem eigentlichen Ort ist eine kleine Siedlung, die so aussieht als ob hier die Leute wohnen, für die Queenstown selber noch zu billig ist - seht selbst. Arrowtown selbst sieht aus, als ob man eine Zeitreise in den Wilden Westen gemacht hätte. Auch Arrowtown ist in der Goldrauschzeit entstanden, die hiesigen Gebäude haben sich seitdem aber nicht wirklich geändert.

Auf einem anderen Weg fuhr ich dann wieder zurück nach Queenstown und gab mein Fahrrad zurück. Nach einem letzten Eis verließ ich dann Queenstown in Richtung Te Anau. Zwischendurch schlief ich in Lumsden, einem kleinen aber feinen Ort, der es den Backpackern erlaubt, im Stadtzentrum kostenlos im Auto oder Zelt zu schlafen, eine sehr coole Einrichtung!

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