Dunedin ist mit 125.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt der Südinsel und Hauptstadt der Region Otago. Der Name bedeutet "Edinburgh" auf Gälisch, und deutet daraufhin, dass die Stadt ursprünglich von schottischen Auswanderern gegründet wurde. Das kann man auch heute noch sehen: Die Stadt ist voll von Kirchen, Cafés und Kunst, was man so in Neuseeland sonst nicht findet.
Zusammen mit Jonas und Julian kam ich am 29. März in der Stadt an. Ich hatte mir Dunedin ausgesucht, um hier wieder einmal länger zu bleiben. Der Plan war, in einem Hostel für Unterkunft zu arbeiten. Zuvor hatte ich zwei Hostels angerufen: Das Central Backpackers und Hogwartz. Ersteres hat noch ein kleineres Partnerhostel wo ich hingeschickt wurde. Ich sollte eine Nacht bleiben, am nächsten Tag komme dann der Chef um mir mitzuteilen, ob es eine freie Stelle gibt. Natürlich gab es keine, also ging ich weiter ins Hogwartz, hatte ein kurzes Gespräch mit der Managerin und eine Viertelstunde später stand fest, dass ich hier bleiben kann. Ein echter Glückstreffer wie sich später herausstellte: Das Hostel ist im Gebäude des ehemaligen Bischofssitzes, direkt neben der katholischen Kathedrale. Man fühlt sich wie in einem Schloss, was angesichts des Namen sehr passend ist! Im Rezeptionsbereich hängt ein Schnatz von der Decke und es liegt ein Hexenhut auf einem Stuhl, allerdings wird man von der Rezeptionistin Susan in sein Zimmer eingeteilt, nicht von dem Sprechenden Hut.


Ich sollte drei Stunden am Tag bei einem freien Tag pro Woche arbeiten, im Gegenzug erhielt ich Unterkunft und unbegrenzten WLAN-Zugang und durfte Wäsche waschen. Wir waren zu viert als Hilfskräfte. Es gab drei Hauptjobs, die jeweils einem zugeteilt wurden. Einer war für das Putzen der Bäder und Klos zuständig, einer für das Beziehen der Betten und einer für das Saugen und Putzen der Küche. In einem nicht nachvollziehbaren System wechselten die Jobs durch, wobei ich meistens saugen durfte.
Ich fühlte mich sehr wohl, sowohl in der Stadt Dunedin als auch im Hogwartz-Hostel, wodurch die fünf Wochen, die ich insgesamt blieb, wie im Flug vorbei gingen. Die Stadt und die umliegende Halbinsel, die Otago Peninsula die voll von seltenen Tieren ist, lernte ich dabei immer besser kennen. Statt wie üblich chronologisch zu berichten, zeige ich euch zunächst die Stadt, danach die Umgebung.
Dunedin liegt einerseits direkt am Meer, andererseits in einer sehr hügeligen Gegend. Im flachen Teil liegt die Innenstadt und das Industriegebiet. Die meisten Wohngebiete liegen am Hang, ein bisschen so wie in Stuttgart, nur dass dort das Meer auf der anderen Seite fehlt!
Im Stadtzentrum liegt das Octagon, eine Art großer Kreisverkehr in Form eines Achtecks. Die meisten Bars und Kneipen liegen am Octagon, oder nicht weit davon entfernt. Vom Octagon aus nördöstlich befindet sich die Haupteinkaufsstraße, die George Street. Richtung Südosten ist es nicht weit bis zum Bahnhof. Das Bahnhofsgebäude ist angeblich das nach der Oper in Sydney zweitmeistfotografierte Gebäude der Südhalbkugel. Beweisen kann es keiner, daher kann sich Dunedin mit diesem Titel schmücken. Sonderlich viele Züge fahren hier nicht, hauptsächlich Güterzüge und einmal täglich die Taeiri Gorge Railway, eine reine Touristenbahn, die eine Schleife durch die Taeiri-Schlucht fährt und wieder in Dunedin endet.

Direkt neben dem Bahnhof findet jeden Samstag der Otago Farmers Market statt. Der kleine, aber sehr feine Markt bietet landwirtschaftliche Erzeugnisse aller Art, meistens sogar billiger als im Supermarkt. Jede Woche habe ich mich hier mit Obst, Gemüse, Eiern und tatsächlich einigermaßen anständigem Brot eingedeckt. So wirklich Vollkorn ist es immer noch nicht, aber allemal besser als das was man im Supermarkt hier bekommt. Dazu gibt es einen Crèpe-Stand, und jede Woche macht jemand anderes Musik. 

Nicht weit vom Bahnhof liegt die Cadbury World. Cadbury ist ein britischer Schokoladenproduzent mit Werken auf der ganzen Welt, unter anderem auch in Dunedin. Es gibt Führungen durch das Gebäude, allerdings nicht durch die Produktionsräume. Ich machte die Führung zusammen mit Konrad. Ihn habe ich das erste Mal auf der Dart Hut mitten im Nirgendwo getroffen, bis er plötzlich auch ins Hogwartz hinein spazierte, ein typischer Neuseeland-Zufall! Er blieb auf der Suche nach Arbeit auch drei Wochen im Hostel. Die Cadbury-Führung dauert eine Stunde. Zunächst bekommt man eine Einführung in die Schokoladen-Herstellung an sich, dann erfuhren wir, welche Produkte in Dunedin hergestellt werden. Es ist nicht die typische Block-Schokolade, sondern hauptsächlich Marshmallow-Produkte, mit und ohne Schokoglasur. Mir (und so ziemlich allen anderen die es probiert haben) schmeckt die Marshmallow-Schokolade überhaupt nicht, vor allem weil noch zusätzlich unglaublich künstliche Aromen wie Erdbeere oder Banane hinzugemischt werden. Ganz gut sind allerdings die Jaffas. Sie sehen aus wie eine Mischung aus Smarties und M&Ms: dunkle Schokolade innen mit einer Kirschglasur. Jedes Jahr im Juni gibt es eine Veranstaltung, in der übergroße nummerierte Jaffas hergestellt werden, die dann die Baldwin Street hinuntergerollt werden. Jeder kann auf ein "Jaffa" setzen, der Gewinner bekommt einen Preis. Die Gaffas werden in einer Art Betonmischer hergestellt, den wir auch begutachten konnten. Er macht einen Höllenlärm, sogar hinter einer angeblich si schalldichten Plexiglaswand. Als eigentlicher Höhepunkt der Führung gibt es einen Schokowasserfall in einem ehemaligen Silo, der allerdings am Tag meiner Führung geschlossen war. Immerhin gab es als Entschädigung eine Tafel richtige Schokolade!
Die eben erwähnte Baldwin Street befindet sich im Norden von Dunedin. Laut offiziellem Guinness-Buch-Eintrag handelt es sich dabei um die steilste Wohnstraße der Welt. Die Straße ist nur 350m lang, das steilste Stück ganz oben hat dabei eine Steigung von 1:2.86. Ich habe es versucht, mit dem Fahrrad hinaufzufahren, tatsächlich habe ich zwei Drittel des Weges geschafft, als ich dann als steilste Stück kam musste ich aber aufgeben und den Rest schieben, selbst in Serpentinen ging es nicht mehr. Dabei wurde ich von Dutzenden Chinesen und Japanern angefeuert, die hier in allen möglichen und unmöglichen Posen Fotos machen - beim Weg hinab musste ich selbst ein paar Mal Model stehen und mich mit ihnen fotografieren lassen.  

Die Innenstadt von Dunedin ist voll von StreetArt - nicht hässlichen Graffitis, sondern durchdachten, schönen Kunstwerken. Manche sind offensichtlich, manche sind versteckt hinter Gebäudeecken. Seht selbst!

Etwas mehr als einen Kilometer die George Street hinunter beginnt das Gelände der Otago University, der Campus ist also quasi mitten im Stadtzentrum. Mit 21,000 Studenten bei 120,000 Einwohnern kann man Dunedin getrost als Studentenstadt bezeichnen, an der Uni werden so ziemlich alle größeren Fachrichtungen angeboten. Der Campus ist wunderschön hergerichtet, zwei Flüsse fließen mitten hindurch und die Gebäude sind im Stil des 19. Jahrhunderts erhalten worden. Hier lässt es sich definitiv aushalten als Student! Die Hauptbibliothek ist ein moderner Glaskomplex mit dem besten Wlan das ich bisher in ganz Neuseeland hatte, einige Nachmittage verbrachte ich daher hier.

Direkt neben der Uni-Bibliothek ist das Otago Museum. Auf die Etagen verteilt gibt es insgesamt 15 Ausstellungen. Neben der für Neuseeland obligatorischen Ausstellung für Maori-Kultur, die in keinem Museum fehlt, kann man hier die Biografie des Neuseeländers Edmund Hillarys sehen, einiges über Plattentektonik und Erdbeben sowie die Evolution der Tier- und Pflanzenwelt in Neuseeland lernen, und die Ergebnisse eines Fotowettbewerbs unter Kindern und Jugendlichen sind ausgestellt. Etwas gruselig aber gleichzeitig ziemlich cool ist das Animal Attic. Hier sind Skelette und ausgestopfte Examplare von Tieren aller Stämme und Klassen nach der heute gängigen Klassifizierung zu sehen. Die Säugetiere sind wiederum unterteilt in Raubtiere, Beuteltiere, Wale usw.
Nicht weit hinter dem Uni-Gelände schließt sich der Botanische Garten an. Das Gelände ist riesig und eignet sich perfekt zum Joggen. Es gibt native bush, Springbrunnen, einen Rosengarten, einen Orchideengarten, Bereiche für die typischen Pflanzen verschiedener Teile der Erde. Als Bonus hat man von oben eine wunderschöne Aussicht über Dunedin. Das Highlight ist die Voliere, wo man allerlei verschiedene Papageien-Arten bewundern kann. Neben den einheimischen wie dem Kaka und dem Kea sind hier auch tropische Papageien in allen möglichen Farben zu finden. Natürlich ist es unfassbar laut hier. Die kompletten Gärten inklusive der Papageien kosten keinen Eintritt. Einige Male lief oder joggte ich durch die riesige Gartenanlage und entdeckte jedes Mal noch etwas Neues.

Wie fast überall in Neuseeland ist Rugby in Dunedin sehr beliebt. Das Forsyth Barr-Stadion ist eines der größten in Neuseeland und Heimat der Highlanders, dem lokalen Rugby-Team. Die Highlanders spielen in der SuperRugby-League, ein Wettbewerb bei dem Rugby Teams aus Neuseeland, Australien, Südafrika, Argentinien und Japan mitspielen. Die Kiwis dominieren aber deutlich. Zweimal war ich während meiner Zeit in Dunedin bei einem Highlanders-Spiel: Zunächst gegen Melbourne auf der Tribübe, eine Woche später gegen Auckland im "Zoo". Der Zoo sind Stehplätze hinter den Torpfosten und gefühlte zweite Heimat aller Studenten. Man bekommt vom Spiel selbst im Zoo deutlich weniger mit, stattdessen feiern die Studenten eine Party, sobald der Ball ruht. Natürlich wird es umso lauter wenn die Highlanders einen Try erzielt haben!
Beide Spiele konnten die Highlanders gewinnen. Melbourne wurde mit 51:12 vom Platz gefegt, auch für mich als Rugby-Laien war ohne Zweifel erkennbar, dass Dunedin um Klassen besser war. Das zweite Spiel war knapper, aber auch hier konnten sich die Highlanders nachdem sie in der ersten Hälfte noch zurücklagen mit am Ende drei Punkten Vorsprung durchsetzen.

Wie vorher schon erwähnt, hat man in Dunedin sowohl das Meer als auch die Berge in Reichweite. Der St. Clair Beach ist wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Zweimal machte ich einen Morgen-Jogging-Trip dorthin und war nicht alleine - gefühlt jeder Hundebesitzer der Stadt nutzt den weitläufigen Strand für den Morgenspaziergang. Der Strand ist wirklich wunderschön, kilometerlanger weißer Strand wird von ein paar Felsen zu beiden Enden ergänzt, auf denen man wunderbar herumklettern kann.

Etwas weiter außerhalb der Stadt liegt der Tunnel Beach. Der macht seinem Namen alle Ehre, denn es gibt hier sogar gleich zwei Tunnel. Vom Parkplatz aus läuft man noch einen guten Kilometer bis man die Küste erreicht. Einen wirklichen Sandstrand gibt es hier nicht, dafür eine rauhe, felsige Küste. Von weit oben schon sichtbar ist der erste Tunnel, den das Meer im Laufe der Zeit in den Felsen gegraben hat. Das Wasser schießt geradezu hindurch und macht dabei deutlich, wie stark das Meer tatsächlich ist. Den zweiten Tunnel sieht man erst, wenn man direkt davor steht. Er ist menschengemacht, und führt durch das Gestein hinunter zum Meer. Hier gibt es eine kleine Höhle, die allerdings nur ein paar Meter in den Fels führt und dann aufhört. Insgesamt drei mal war ich an diesem fast magischen Ort, wo die Kräfte der Natur so eindrucksvoll und ungehindert walten. Klingt vielleicht übertrieben, aber ist so!

Auch die meisten Berge der näheren Umgebung habe ich teils erradelt, teils erlaufen. Mein Auto hatte ich zunächst an Ilaria, die damit eine Rundtour über die Südinsel gemacht hat, verliehen und später dann verkauft. Stattdessen hatte ich mir ein Fahrrad im Secondhand-Shop gekauft, um einfach und schnell überall hin zu kommen. Es gibt ein paar Gipfel, die alle um die 650m hoch sind. Der Flagstaff ist mit genau 666 Metern (ob das wohl ein Zeichen ist?) der zweithöchste Gipfel nach Mount Cargill im Norden und bietet daher einen grandiosen Rundumblick auf die Stadt und das Umland. Um den Gipfel zu erreichen, brauchte ich zwei Versuche. Im ersten Versuch lief ich zusammen mit Konrad vom Hostel los. Man kommt von drei Seiten auf den Gipfel, wir suchten uns den Weg aus, der die längste Zeit durch den Wald führt. Der Weg war ziemlich cool, er führte vorbei an einem Wasserfall und einem kleinen aber feinen See, und einige kleinere Bäche wollten überquert werden. Leider wurde es immer düsterer und fing dann recht kräftig an zu regnen, weshalb wir uns dazu entschieden, auf halbem Weg wieder umzudrehen. Bei meinem zweiten Versuch fuhr ich mit dem Fahrrad an die andere Seite und nahm den kürzeren Aufstieg. Der Weg war steiler, dafür war ich ziemlich bald tatsächlich am Gipfel. Und es hat sich sowas von gelohnt - die ganze Stadt breitete sich unter mir aus. Die Hügel auf der anderen Seite waren halb hinter Wolken verborgen, was der Umgebung eine märchenhafte Stimmung verlieh.

Der Signal Hill ist zwar nur 393m hoch, dafür schließt er sich aber direkt an die Stadt an. Hierher kam ich auch eines morgens vor dem Arbeiten zum Joggen und konnte die Morgensonne genießen, wie sie den Otago Harbour und die Stadt langsam erhellt und wärmt.

Auch zur Otago Peninsula, eine Dunedin vorgelagerte Halbinsel mit allen möglichen seltenen Tieren und auf der anderen Seite des Otago Harbours Port Chalmers, dem Haupthafen Dunedins, ist es nicht allzu weit von Dunedin aus. Der Halbinsel widmete ich einige Tagesausflüge, die aber ihren eigenen Blogeintrag verdienen.

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