Die Otago Peninsula ist eine ungefähr 25 Kilometer lange Halbinsel direkt neben der Stadt Dunedin, wo ich fünf Wochen in einem Hostel gearbeitet habe. Die Insel ist recht dünn besiedelt und voll von wunderschönen Stränden, Bergen und Wildtieren aller Art.
Insgesamt vier Mal fuhr ich auf die Halbinsel. Gleich kurz nach meiner Ankunft in Dunedin, als auch Jonas und Julian noch in Dunedin waren, fuhr ich mit vollem Auto hin. Das Wetter war nicht das Beste, an der Spitze der Halbinsel war es so neblig, dass man kaum etwas gesehen hat. Wir fuhren also weiter zum Victory Beach auf der Ostseite, um dort ein bisschen spazieren zu gehen. Der Weg zum Strand führte zunächst an den Pyramids vorbei, mit etwas Fantasie sehen diese Felsformationen tatsächlich aus wie Pyramiden. Der Strand selbst ist ein Paradies für alle möglichen Meeresvögel sowie Seelöwen. Nirgends habe ich so viele auf einem Haufen gesehen. Ungefähr einen Kilometer liefen wir den Strand entlang, auf dem gesamten Weg verteilt tummelten sich die gewaltigen Tiere. Die meisten dösten, manche schwammen im Wasser und alle schauten uns neugierig an, als wir vorbeiliefen.


Neben den Seelöwen gab es unzählige Möwen verschiedener Arten, die sich brav nach Art verteilt auf dem Strand aufgestellt hatten und auch den Himmel verdunkelten - auch wenn das inzwischen nicht mehr nötig war, da diesen Job schon die Wolken übernommen hatten.

Das Ende des Victory Beach markiert ein Inlet, eine kleine Bucht. Entlang dieser Bucht liefen wir im Kreis zurück zum Auto, wobei wir zuerst noch an den Victory Beach zurückkehrten. Anscheinend schlafen hier auch Gelbaugenpinguine, die nachts in die Büsche zurückkehren. Wir sahen aber leider keine, wobei sie zehn Meter neben uns hätten sein können. Da es inzwischen stockdunkel war, sah man nichts mehr.

Gleich am nächsten Tag war ich direkt wieder auf der Halbinsel, diesmal mit Valentin und Miriam, die auch im Hostel arbeiteten. Am Taiaroa Head, der Spitze der Halbinsel, gibt es gleich zwei sehr seltene Tierarten zu bestaunen. Wir fuhren hin, um Albatrosse zu sehen. Die Otago Peninsula ist der einzige Ort auf der ganzen Welt, wo der Royal Albatross auf dem Festland brütet. Der Bereich ist weiträumig abgesperrt, Touristen können nur im Zuge von DOC-geführten Touren nah an die Tiere herankommen, und auch dann nur aus einer Art Bunker hinausschauen. Mit drei Metern Spannweite gehört der Southern Royal Albatross zu den größten Vögeln der Welt. Im November und Dezember schlüpfen die Küken, als ich sie gesehen habe, waren sie also schon ein paar Monate alt. Im Gegensatz zu den ausgewachsenen Vögeln, die schwarze Flügel haben, sind die Küken komplett weiß und unglaublich flauschig. Nach etwas über einem halben Jahr unternehmen die Küken ihre ersten Flugversuche, die praktisch immer erstmal scheitern. Durch ihr Gewicht von über 10kg brauchen die Vögel Aufwind und eine erhöhte Stelle um abzuheben. Zu diesem Zeitpunkt wiegen die Küken fast das Doppelte ihrer Eltern. Nachdem der Start einmal geglückt ist, verlassen die Jungvögel Neuseeland um fünf Jahre lang kein Land zu betreten. Geschlafen wird auf der Wasseroberfläche, Fische an der Oberfläche bieten die Nahrungsquelle. Erst an der argentinischen Küste ist dann das nächste Mal Land in Sicht. Dort suchen sich die Vögel einen Partner fürs Leben und kehren nach Neuseeland, Tasmanien oder die Inseln im subantarktischen Ozean, um zu brüten. Nur alle zwei Jahre bekommen die Vögel jeweils ein Ei, da es für die Eltern unglaublich anstrengend ist, ihr Kleines durchzufüttern.
Ungefähr eine halbe Stunde lang konnten wir die majestätischen Vögel bewundern, und erfuhren dabei auch weniger Erfreuliches. Durch das Schleppnetzfischen ertrinken viele Tiere und werden als Beifang entsorgt. Inzwischen ist diese Art des Fischfangs in vielen Meeresbereichen um Neuseeland jedoch verboten.

Erst am 21. April, drei Wochen später, kehrte ich auf die Halbinsel zurück. Anders als bei meinen vorherigen Besuchen zeigte sich das Wetter diesmal von seiner allerbesten Seite. Inzwischen hatte ich mir ein Fahrrad zugelegt, sodass ich an meinem freien Tag zur Sandfly Bay radelte. Sandflies sah ich dort zum Glück nicht, dafür eine Menge Fur Seals. Der Strand und die Umgebung sind wunderschön.

Schon beim Abstieg läuft man circa einen Kilometer lang durch angenehmen, feinen Sand. Unten bekommt man alles geboten: Einen langen Sandstrand, Felsen, den unzählige Fellrobben bewohnen, und auf der anderen Seite eine Steilküste. Genießt die Bilder!


Gerade mal einen Tag später war ich schon wieder auf der Halbinsel, diesmal wieder an der Spitze, dem Tararoa Head. Neben den Albatrossen schläft hier auch eine Kolonie Little Blue Penguins, der kleinsten Pinguinart der Welt. Nur circa 30 Zentimeter hoch und mit tatsächlich bläulichem Fell schlafen auch sie nachts geschützt von Büschen, um tagsüber im Meer nach Fischen zu suchen. Eine Stunde vor Sonnenuntergang wird der Strand abgesperrt, nur mit einer Führung kommt man dann noch hinunter auf die Plattform, an der die Pinguine auf dem Weg zu ihrem Bett vorbeilaufen. Zunächst tauchte eine Gruppe von fünf Tieren auf. Nach dem kurzen Sandstrand müssen die Tiere ungefähr fünf Meter Steine überqueren. Die Steine sind größer als die Körper der Vögel, deshalb müssen die Pinguine versuchen, hochzuhüpfen, was unglaublich witzig aussieht. Meist schaffen sie es erst beim zweiten Anlauf und plumsen beim ersten zurück. Sehr süß! Wenn sie an den Steinen vorbei sind, führt ihr Weg direkt entlang der Plattform, die mit LED-Licht ausgestattet ist, das die Pinguine anscheinend nicht stört, hinein in die Büsche. Nach der ersten Gruppe tauchte ein einzelner Pinguin auf, der sich vor der Steinreihe positionierte und dort eine geschlagene halbe Stunde verharrte. Vielleicht ist es ein Wachposten, vielleicht gefiel es ihm da aber auch nur. Fünf Minuten später tauchte noch eine Kleingruppe auf, gefolgt von 15 Tieren auf einmal. Danach kam wieder ziemlich lange nichts, bevor nochmal ein paar Tiere eintrudelten. Letztendlich machte sich dann auch der Wachpostenpinguin auf den Weg nach Hause. Auch ich fuhr kurz darauf wieder zurück nach Dunedin, um allerdings im Hostel statt in den Büschen zu schlafen.

Auf die Peninsula kehrte ich nicht mehr zurück, an meinem letzten freien Tag machte ich aber noch eine Fahrradtour auf die andere Seite des Otago Harbours. Dieser ist an der Mündung ins offene Meer sehr schmal, ich war daher am Aramoana Beach nur wenige hundert Meter Luftlinie vom Tararoa Head entfernt. Der Weg dahin führte mich vorbei an der Baldwin Street und Port Chalmers, dem Hauptcontainerhafen der Stadt Dunedin. Der Strand auf dieser Seite ist kilometerlang, wenn auch nicht besonders breit. War es morgens noch sonnig, zog es zum Nachmittag hin zu und wurde sehr windig, was den Ort aber nur noch spannender machte. Zu regnen fiel es glücklicherweise nicht an, sodass ich nach etwas über 50 Kilometern wieder trocken nach Dunedin zurück kam.

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