Am Dienstag, 27. September sind Ilaria und ich in Neuseeland nach 29 Stunden (inklusive Stopovers) Flug angekommen. Da wir beide verhältnismäßig wach waren und uns nach dem langen Flug etwas bewegen wollten, entschieden wir, die 15 Kilometer vom Hostel bis ins Stadtzentrum von Auckland zu laufen. Die größte Stadt Neuseelands mit eineinhalb Millionen Einwohnern erstreckt sich vom Zentrum aus in alle Himmelsrichtungen sehr weitläufig, so gehört auch Mangere schon zu Auckland. Abgesehen davon, dass die Hauptstraße relativ stark befahren ist, könnte es aber genauso gut eine Kleinstadt sein. Unser Weg führte uns zunächst über die Mangere Bridge, die über den Mangere Inlet, einem Fjord der Tasmansee, führt. Kurz vor der Brücke ist ein kleiner Park angelegt, an dem wir kurz Pause machten.

Hinter der Mangere Bridge liegt der Stadtteil Onehunga. Dieser mutet eher wie ein typischer Großstadtvorort an: Eine lange Einkaufstraße mit schäbig und billig wirkenden Läden zu beiden Seiten, vielbefahrene Straßen, dazu Autowerkstätten, kleinere Fabriken und Teppichläden. Hinter Onehunga liegt der Cornwall Park, der uns deutlich besser gefallen hat. Der Cornwall Park wurde 1901 von einem britischen Einwanderer gebaut. Im Park laufen Schafe frei herum. Als Autofahrer muss man daher aufpassen, dass man niemand überfährt, als Fußgänger dass man nicht in die Hinterlassenschaften tritt. Im Zentrum des Parks liegt der One Tree Hill, mit 182m Höhe nach dem Mount Eden der zweithöchste Vulkan im Stadtgebiet. Die Panoramablick von oben ist gigantisch, der Aufstieg hat sich also definitiv gelohnt. Der Abstieg auf der anderen Seite verläuft über Trails, die von mächtigen, wunderschönen Bäumen gesäumt sind. Einige davon sind so riesig, dass man sich problemlos zwischen die Wurzeln legen oder das Innere eines ausgehöhlten Baums betreten kann. 

Kaum unten ging es schon hinauf auf den nächsten erloschenen Vulkan, den Mount Hobson. Obwohl mit 143m etwas niedriger, hat man hier einen schönen Ausblick auf das Zentrum von Auckland. Da nichts los war, eignete sich der Gipfel bei strahlendem Sonnenschein für ein Mittagsschläfchen im Gras. 

Nach dem erneuten Abstieg landeten wir im Stadtteil Newmarket, wo wir versuchten, etwas zu essen aufzutreiben. Eine Bäckerei wie wir sie in Deutschland kennen mit frischen Brötchen konnten wir nicht finden. Stattdessen gibt es entweder asiatische Takeaways oder "bakerys", die fast ausschließlich Süßgebäck und belegte Weißbrote, zu 99% mit Fleisch, verkaufen. Nicht weit hinter Newmarket beginnt der nächste Park, der um einen ehemaligen Vulkankrater gebaut ist, Auckland Domain. Darin liegt das Auckland Museum, mit einer großen Ausstellung zur Maori-Kultur und weiteren kleineren Ausstellungen. Da wir keine Lust auf Museum hatten, gingen wir weiter durch den Park, der mit Palmen, kleinen Teichen, Wiesen und Sportanlagen gesäumt ist. Hinter dem Park kommt schon das eigentliche Stadtzentrum. Etwas wirklich besonderes ist das allerdings nicht. Es gibt keine Fußgängerzone, auch auf der Queen Street, der Haupteinkaufsstraße, fahren Autos und man darf alle 100m an Ampeln warten, da es auch recht viele Querstraßen gibt. Ansonsten reihen sich die üblichen Läden aneinander, ungefähr die Hälfte kennt man aus Europa. Am Ende der Queen Street liegt das Britomart Transport Centre. Hier fahren die Fähren zu den zahlreichen vorgelagerten Inseln und Halbinseln, Nahverkehrszüge, der einmal täglich verkehrende Zug nach Wellington sowie eine unüberschaubare Anzahl an Bussen. Den richtigen zu finden, der uns zurück zum Hostel brachte, hat einige Sucherei benötigt. Dort angekommen, ließen wir den Abend entspannt ausklingen und fielen relativ schnell ins Bett.

Der Mittwoch begann etwas später, da wir erstmal nach dem Flug mal wieder richtig ausschlafen konnten. Dadurch dass wir während des Flugs die Tageszeiten mitgekriegt haben, wenn sie auch deutlich kürzer waren wie normal, war die Zeitumstellung praktisch kein Problem. Schon am Mittwoch war die Neuseeland-Zeit, die im Moment 11 Stunden vor Deutschland liegt, normal. Leider zeigte sich das Wetter von seiner typischeren Seite, es war trüb und nieselte. Das hielt uns nicht davon ab, uns zunächst ein ausgiebiges Frühstück zu gönnen, und dann den Mangere Mountain, den vom Hostel aus nächstgelegenen Vulkan zu erkunden. Der Vulkan besteht aus drei größeren Hügeln, die wir nacheinander erkletterten. Am Ende regnete es dann stärker, sodass wir trotz Regenklamotten relativ durchnässt wieder ankamen. Dort lernten wir ein Mädchen kennen, das einen zweifeln lässt, dass wir wirklich über 18.000km weg von daheim sind: Sie kommt aus Altbach und ist in Kirchheim zur Schule gegangen. Unglaublich. Den restlichen Tag verbrachten wir dann mit Brettspielen zu dritt. Ab morgen trennen sich dann unsere Wege. Ilaria hat zunächst Orientierungstage bei ihrer AuPair-Organisation und kommt dann zu ihrer Familie. Ich werde nochmal nach Auckland gehen, und versuchen mir ein Fahrrad zu organisieren. Ich halte euch auf dem Laufenden!

 

 

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