Ich blieb noch anderthalb Tage in Auckland, während derer ich ein paar Formalitäten erledigte - SIM-Karte kaufen, ein Bankkonto eröffnen und eine IRD-Nummer beantragen. Ein Work-and-Travel-Konto zu eröffnen war unkomplizierter als gedacht, ohne viel Bürokratie konnte ich die Bank direkt mit meiner "Cashflow"-Karte verlassen. Den Antrag für eine IRD-Nummer auszufüllen, war dagegen recht viel Aufwand. Eine IRD-Nummer ist im Prinzip eine Steuernummer, an die auch die Steuerklasse gebunden ist. Theoretisch kann man mit gültigem Arbeitsvisum auch ohne IRD-Nummer arbeiten, zahlt dann allerdings den Spitzensteuersatz. Für den Antrag wird die Bescheinigung der Bank benötigt, dass man ein Konto besitzt. Insgesamt zwölf Fragen müssen beantwortet werden, dann muss das ausgefüllte Formular auf der Post abgegeben werden. Die Post in Neuseeland übernimmt einige Verwaltungs-Aufgaben, ist also so etwas wie ein zweites Rathaus.

Natürlich braucht das alles keine anderthalb Tage. Am Donnerstag bestieg ich auch den letzten größeren Vulkan im Stadtzentrum, den Mount Eden. Hier ist der Krater noch am imposantesten zu sehen, zusammen mit der Skyline im Hintergrund ergibt das ein geniales Bild.

Ein Fahrrad habe ich mir allerdings nicht besorgt, obwohl ich mir ein paar Second-Hand-Läden angeschaut habe. Paul, ein ehemaliger Kommilitone, hatte zufälligerweise zur gleichen Zeit einen einmonatigen Urlaub in Neuseeland geplant. Kurzfristig entschieden wir dann, zusammen zu reisen. Paul ist zusammen mit seiner Freundin Melanie hergeflogen. Sie hatten für eine Woche ein Auto gemietet, während derer die Erkundung des Northlands geplant war. Am Freitag Nachmittag ging es dann direkt auch schon los. Nachdem wir den zähen Stadtverkehr Aucklands hinter uns gelassen hatten, erreichten wir abends die Little Earth Lodge in der Nähe von Whangerei. Das Hostel war so gemütlich wie es klingt, sehr klein, dafür sehr sauber und gepflegt. Das Inhaberpärchen kommt ursprünglich aus London und ist sehr freundlich und zuvorkommend. Problemlos wurde ein kleiner Bungalow für mich hergerichtet, wo ich vom Bett aus einen Ausblick auf die Berglandschaft genießen konnte. 

Am nächsten Morgen stand die Besichtigung der Abbey Caves an. In Neuseeland ist Kalkgestein recht häufig. Wird dieses unterspült können Höhlen entstehen. Die drei Höhlen, die zusammen die Abbey Caves bilden, sind nur wenige hundert Meter von der Lodge entfernt. Auf dem Weg dahin kommt man durch einen Wald, der von riesigen Bouldern gespickt ist, die zum Klettern einladen. Mitten in die Steine hat sich der Wald seinen Weg gebahnt, so wachsen teilweise Äste aus einem Stein heraus. Direkt hinter dem Boulderwald liegt der Eingang zur Organ Cave, der größten Höhle. Vom Hostel ausgestattet mit Stirnlampe, Helm und Höhlenschuhen machten wir uns auf den Abstieg. In allen drei Höhlen fließt am Boden Wasser bis ungefähr in Kniehöhe. An einigen Stellen kann man daran vorbeiklettern, man kommt aber nicht daran herum, zumindest für ein paar Meter durchs kalte Nass zu laufen. Es lohnt sich aber definitiv, nicht nur wegen den vielen Tropfsteinen, den vielen unterschiedlichen Gesteinsschichten und -varianten die unten sichtbar werden und der Architektur der Höhle. Wenn man die Stirnlampe ausknipst ist es nicht komplett dunkel, an der Decke sitzen Glowworms, die leicht bläulich-grünlich leuchten und dadurch versuchen, Insekten anzulocken. Die Käfer produzieren klebrige Fäden, an denen sich die Insekten dann verfangen sollen. Die neuseeländischen Glowworms sind mit den europäischen Glühwürmchen nur sehr entfernt verwandt. Ohne eigenes Licht sieht es in der Höhle fast aus wie unter einem Sternenhimmel, ein sehr imposanter Anblick. Den kann man auch in der Middle und Ivy Cave, den anderen beiden Höhlen, genießen. Verdreckt aber glücklich kamen wir danach am Hostel wieder an. 

Nachmittags fuhren wir dann zusammen mit Alfred, einem Sachsen den wir im Hostel kennen gelernt hatten, an die Pazifikküste, genauer gesagt zur Woolleys Bay. Egal wo auf der Erde man ist, zumindest bei mir hat das Meer immer eine unglaublich beruhigende Wirkung, und lässt einen sehr unbedeutend gegenüber der Natur wirken. Natürlich mussten wir obwohl das Wasser noch frühlingshaft frisch ist direkt ins Wasser. Das Meer muss man sich hier mit unzähligen, meist noch recht kleinen Quallen teilen, die auch am Strand verteilt liegen. Anders als in Australien wollen die einen zum Glück nicht stark verletzen, sodass Baden hier kein Problem ist. Ein paar Meter weiter in der Sandy Bay lässt es sich hervorragend an den Felsen direkt am Wasser klettern, über die man auch noch in die nächste Bucht vorstoßen kann. 

Am Sonntag gehts dann weiter in den Norden hinauf Richtung 90 Mile Beach und Cape Reinga. Stay tuned!

contentmap_plugin