Ende Gelände ist ein Aktionsbündnis, das sich zum Ziel gesetzt hat, den deutschen Braunkohletagebau und die Kohleverstromung so schnell wie möglich zu stoppen.
Da die Politik in den letzten Jahren sehr wenig unternommen hat um den Braunkohle-Ausstieg voran zu treiben und erneuerbare Energien zu fördern, setzt Ende Gelände dabei auf die Protestform des zivilen Ungehorsams. Im Aktionskonsens wird dies damit gerechtfertigt, dass der Klimawandel mit jedem Jahr schwieriger aufzuhalten sein wird, und die Regierungen von Deutschland und Nordrhein-Westfalen klassischen Protest über Petitionen und Demos ignoriert haben. Politik und Polizei sind zum Ausführenden von Konzerninteressen, im Falle des rheinischen Braunkohlereviers von RWE, geworden. Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, sagte auf einer Kundgebung der IG BCE, “Nicht nur die, die Polizisten angreifen, bestimmen das Klima in unserem Land, sondern auch anständige Leute, die jeden Tag zur Arbeit gehen und unseren Wohlstand erarbeiten.” (Quelle) Dabei reduziert er die breite Masse an Demonstranten, die sich gegen Kohlestrom einsetzen auf eine verschwindend geringe Minderheit an gewaltbereiten Menschen und unterstellt auch noch gleichzeitig, dass Klimaaktivisten nicht arbeiten würden. Die SPD Niederzier bezeichnet Ende Gelände als “Ökomob” (Quelle). Ein Mob bezeichnet laut Duden “ungebildete, unkultivierte, in der Masse gewaltbereite Menschen”. Wenn man eine Beschreibung finden wollte, die auf die Ende Gelände-Aktivisten möglichst wenig zutrifft, wäre es diese.

Im September sprachen sich laut einer Emnid-Umfrage 75% der Deutschen gegen die Rodung des Hambacher Forsts aus. Die Energieerzeugung aus Braunkohle erzeugt 1009g CO₂/kWh Strom. Im Vergleich dazu schneiden moderne Gaskraftwerke mit 340g CO₂/kWh deutlich besser ab (Quelle). Diese können sogar schneller als Braunkohlekraftwerke ihre Stromerzeugung den Netzbedürfnissen anpassen. Trotzdem stehen Deutschlands Gaskraftwerke häufig still, da Strom aus Gas unter den aktuellen politischen Bedingungen teurer ist als der dreckige Braunkohlestrom (Quelle).
Ein Erhalt des Restes des Hambacher Walds und ein Stopp der Kohleverstromung bis 2030 würden bei konsequentem Ausbau erneuerbarer Energien und Speichertechnologien sowie Nutzung von Gaskraftwerken als Brückentechnologie für die Energieversorgung kein Problem darstellen (Quelle, Quelle).

Ich habe sehr lange darüber nachgedacht, ob ich mich an der Ende Gelände-Aktion beteiligen soll oder nicht. Einerseits stehe ich zu 100% hinter dem Ziel, so schnell wie sinnvollerweise möglich aus der Kohle auszusteigen und will auch alles in meiner Macht stehende dazu beitragen. Andererseits ist es etwas anderes, auf einer Demo mitzulaufen, als aktiv einen Industriebetrieb zu blockieren und sich dabei der Polizei zu widersetzen, auch wenn bei der Aktion keine Eskalation von den Aktivisten ausgeht und keine Personen angegriffen werden. Am Ende habe ich mich dazu entschieden, mit auf das Camp zu gehen, mich allerdings nicht direkt an der Aktion zu beteiligen.
Einen großen Einfluss auf diese Entscheidung hatte auch ein Aktionstraining in Karlsruhe, das in der Woche vor der eigentlichen Blockade stattfand. Neben einiger Theorie, unter anderem zu Konsensfindung in kleineren und größeren Gruppen und wie man eine Situation deeskalieren kann, haben wir dort auch geübt, durch Polizeiketten hindurch zu kommen. Durch das neue Polizeigesetz in NRW kann theoretisch schon eine bloße Berührung eines Polizisten am Arm als Angriff auf Vollzugsbeamte geahndet werden. Der Vorteil bei einer Massenaktion wie Ende Gelände besteht hier in der schieren Zahl an Menschen, es können nicht alle festgehalten werden. Trotzdem fühlte ich mich nicht ganz wohl dabei. Bei einer Aktion zivilen Ungehorsams mit tausenden Leuten sind allerdings nicht nur die beteiligt, die tatsächlich auf die Bagger klettern oder sich auf Schienen setzen. Der Organisationsaufwand schon im Vorfeld ist gewaltig, es müssen Mahnwachen angemeldet, das Camp aufgebaut, Essen eingekauft, Transport organisiert werden. Während des Wochenendes werden Sanitäter, Leute im Ermittlungsausschuss, Fahrer, Camp-Security, Köche und Küchenhelfer, Leute, die Klos putzen, die Presseartikel verfassen und viele mehr gebraucht. Ich würde mich vor Ort also auf jeden Fall nützlich machen können.


Vom 25. bis zum 29. Oktober 2018 sollte das Ende Gelände Camp stehen. Das Finden eines geeigneten Ortes erwies sich als sehr schwierig. Um den Transportaufwand so gering wie möglich zu halten, ist ein Platz nahe des Tagebaus natürlich ideal. Das Protestcamp ist offiziell als Versammlung angemeldet worden. Ursprünglich vorgeschlagen wurde dabei eine große Wiese bei Niederzier. Die Polizei lehnte dies ab, angeblich aus Umweltschutzgründen, da sich die Wiese in einem Landschaftsschutzgebiet befinde. Angesichts der beiden gigantischen Löcher im Boden in der direkten Nachbarschaft – den Tagebauen Hambach und Inden, gegen die sich die die ganze Aktion richtet – fast schon ironisch. Stattdessen wurde ein Platz in Jülich vorgeschlagen, fast 30km entfernt von der Grube. Ende Gelände wollte dies nicht hinnehmen und klagte dagegen, bis Mittwoch gab es aber noch kein Urteil. Daher wurde kurzerhand in Manheim, einem der beiden Orte, die akut vom Tagebau gefährdet sind, direkt neben dem Hambacher Wald angefangen, das Camp aufzubauen. Das Camp wurde allerdings mitten in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag von der Polizei geräumt und die bereits aufgebauten Zelte konfisziert. Um auch ja zu verhindern, dass irgendwo in der Nähe das Camp aufgebaut wird, fing RWE daraufhin an, sämtliche Wiesen in und um Manheim zu zerstören (Pressemitteilung). Doch natürlich gab es einen Plan B - bereits am Morgen des nächsten Tages wurde in Düren angefangen das Camp aufzubauen, ganz legal auf einem von einem Bauern gepachteten Grundstück. Düren ist zwar nicht ganz so weit weg wie Jülich, aber doch ein gutes Stückchen entfernt. Aber immerhin hat die Polizei dort ohne Durchsuchungsbeschluss keinen Zutritt zum Gelände.

Zusammen mit anderen aus Karlsruhe kam ich Donnerstag abends im Camp an. Da es schon relativ spät war, baute ich noch schnell mein Zelt auf, aß etwas, und legte mich dann recht bald schlafen.
Am Freitagmorgen meldete ich mich in der Küche, um dort mitzuhelfen. Schon beim morgendlichen Plenum merkte ich, dass die Dimensionen dort anders sind als ich es gewohnt war. Zum Beispiel wurde verkündet, dass fast alle Vorräte da seien, es fehlen nur noch 30kg Ingwer und 50kg Knoblauch. Mengen, die man nicht unbedingt einfach so im Supermarkt bekommt… Ich meldete mich für die Spülkoordination, um die ich mich den Großteil des Tages dann kümmerte. Die Küchenausstattung kam aus zwei portablen Großküchen, unter anderem einer aus Freiburg. Während das Gemüse in einem Vorratszelt auf dem Camp lagerte, waren die meistens trockenenen Lebensmittel in einem Schuppen bei dem Bauern untergebracht, dem auch die Wiese gehört. Der Bauer zeigte sich auch an anderen Stellen sehr kooperativ, zum Beispiel erlaubte er es uns, einen Trinkwasserschlauch von seinem Hof zum Camp zu verlegen, was unglaublich viel wert war. Vielen Dank nochmals dafür!
Wie es sich für ein Umweltcamp gehört, wurde natürlich kein Einweggeschirr verwendet. Am Freitagabend waren geschätzte 4,500 Leute auf dem Camp, die alle immer wieder Geschirr dreckig machten, das gespült werden wollte. Ohne festen Stromanschluss gab es auch keine Spülmaschine, daher musste das Geschirr von Hand gespült werden. Hierfür gab es je nach Andrang zwei bis drei Spülstraßen. Am einen Ende lieferten die Leute das dreckige Geschirr ab, dann folgten je eine Wanne für die Grobarbeit, fürs eigentliche Saubermachen des Geschirrs und zum Abspülen des Schaums. Meine Aufgabe in der Koordination war es, das Wasser in den Wannen rechtzeitig bevor es zu dreckig wurde auszuwechseln, das saubere Geschirr wegzuräumen oder direkt zurück zur Essensausgabe zu bringen, neue Leute fürs Abspülen zu finden, und ab und an größere Teile wie Töpfe direkt selbst zu spülen. Außerdem war auch jeder in der Küche gleichzeitig Ansprechpartner für Fragen der Campteilnehmer. Schon bald konnte ich nicht mehr zählen, wie viele Wannen mit Wasser ich hin und her getragen hatte. Der Job war fordernd, vor allem abends, als immer mehr Leute auf das Camp strömten und Essen wollten wurde es stressig, wobei die Köche natürlich den anstrengenderen Job hatten.


Um es nicht unnötig kompliziert zu machen, gab es mittags und abends eigentlich immer Eintopf mit viel Gemüse und wechselnden Soßen. Das gesamte Essen auf dem Camp war zu 100% vegan und Bio. Trotz eines Küchenteams mit circa 25 Leuten, wäre es unmöglich gewesen, auch noch abzuwaschen und Gemüse zu schnippeln (unter anderem 600kg Kartoffeln für einen Tag). Glücklicherweise sind Ökoaktivisten sehr solidarisch. Es hat sich eigentlich immer sehr schnell jemand gefunden, der für eine Weile Kartoffeln gewaschen und klein geschnitten, abgespült, den Abwassergraben vergrößert oder die Dixi-Klos saubergemacht hat. Die Stimmung im Camp war durchweg sehr positiv, trotz Oktoberkälte, zwischenzeitlichem Regen und der Polizei, die Leute aus dem Sonderzug aus Prag stundenlang in Düren am Bahnhof festgehalten hat (Pressemitteilung).
Nach dem anstrengenden Tag fiel ich ziemlich erschöpft ins Bett/Zelt. Die Nacht war sehr kalt, bis auf drei Grad sanken die Temperaturen. Aber ausgestattet mit Winterkleidung ließ es sich doch recht komfortabel schlafen.

Am Samstagmorgen lag Aufbruchstimmung über dem Camp. Ich hatte mich dazu entschieden, zur angemeldeten Solidaritätsdemo für die Aktion zu gehen. Fast zeitgleich mit den anderen Aktivisten machte ich mich auf den Weg nach Buir nahe der Abbruchkante des Tagebaus und dem Hambacher Wald, zusammen mit drei anderen: Hannah aus Karlsruhe, Emma die ich tags zuvor beim Abwaschen kennen gelernt hatte und Conni, die sich spontan direkt vor unserem Aufbruch noch dazugesellte. Zwar fährt auch eine Sbahn direkt von Düren nach Buir, nach den Erfahrungen tags zuvor am Bahnhof entschieden wir uns aber dafür, die ungefähr 15km zu laufen. Das Wetter war definitiv auf unserer Seite, zwar war es ziemlich kalt, aber es versprach, ein schöner Tag zu werden. Die Route führte zunächst durch die Außenbezirke von Düren und dann durch Merzenich. Von allen Passanten wurden wir sofort als Anti-Kohle-Demonstranten erkannt, ob es letztlich an den Rucksäcken, den Wanderschuhen oder einfach daran lag, dass es hier sonst nicht viele junge Leute gibt, konnte nicht eindeutig geklärt werden. Klar ist jedoch, dass die Braunkohle und der Protest dagegen in der Region sehr polarisierend wirkt. Ein Mann stellte gerade Sperrmüll vor die Tür als wir vorbeiliefen, und fragte uns freundlich, ob wir eine Liege mitnehmen wollen. Eine Frau meinte, sie sei froh, dass wir hier seien. Genauso gab es aber auch Leute, die uns entweder nur böse oder genervt anschauten, oder meist unverständliches zuriefen. Auf dem Rückweg nach Düren hielt ein Mann auf der Bundesstraße neben uns an, wild gestikulierend aus dem Autofenster meinte er, wir sollen doch aus “unserer Stadt” verschwinden. Leute hatten wohl am Sonntag auch Nägel auf der Zufahrt zum Campparkplatz verteilt.
Nach Merzenich entschieden wir uns doch dazu, noch eine Station mit der Sbahn zu fahren, da es schon recht spät geworden war. Am Bahnhof Buir holten Hannah und ich uns noch jeweils eine “Hambi bleibt”-Fahne, bevor wir die letzten paar Meter zum Ort der Auftaktkundgebung liefen.

Die Soli-Demo war nicht so gut besucht wie erwartet bzw. gehofft, laut offiziellen Angaben kamen 3,000 Leute, aber immerhin! Zu den Rednern auf der Auftaktkundgebung gehörten unter anderem eine Sprecherin von Ende Gelände sowie zwei Amerikaner mit indianischen Wurzeln, die zu Hause gegen Fracking protestieren und sich mit den Kohlegegnern solidarisierten. Nach der Kundgebung setzte sich der Demozug in Richtung Morschenich in Bewegung, das andere Dorf das in absehbarer Zukunft dem großen Loch wird weichen müssen und aktuell in der Umsiedlungsphase ist. Mit im Zug war der pinke Finger (Gruppe von Aktivisten) von Ende Gelände. Wir waren in der zweiten Reihe ganz vorne in der Demo. Kurz vor dem Dorf brach der pinke Finger dann aus in Richtung der Felder, angefeuert vom Großteil der Demonstranten. Der Zug blieb eine Weile stehen und beobachtete wie nicht nur Aktivisten in weißen Anzügen, sondern zumindest anfangs auch andere, sogar Kinder aus dem Demozug mitrannten, die aber bald wieder zurückkamen. Eine Reiterstaffel der Polizei wartete bereits auf der anderen Seite des Felds, wie ich später erfuhr, blieb diese aber wirkungslos, da es viel zu wenige waren, um die Masse an Leuten aufzuhalten. Der pinke Finger war eine der Gruppen, die es großteils bis zu den Schienen schaffte. Nach einer Weile liefen wir weiter in den Ort hinein, dem man anmerkt, dass schon viele der Häuser verlassen sind. Die Stimmung blieb aber weiter gut, mit Sprechchören und Gesängen machten wir unsere Botschaft deutlich. Ein bisschen Gänsehaut bekam ich, als alle zur Melodie von “Hejo, spann den Wagen an” “Wehrt euch, leistet Widerstand gegen die Braunkohle hier im Land” sangen. Am Ortsende bauten gerade ein paar Leute ein riesiges Transparent auf, auf dem ”Coal Kills, Stop Coal” prangte. Die Straße dorthin blockierte die Polizei, jedoch liefen einige einfach hindurch, ohne aufgehalten zu werden. Den Sinn der Polizeikette hat sich mir nicht erschlossen. Der Weg zur Abschlusskundgebung, die in der Nähe des Hambi-Wiesencamps stattfand, führte relativ nah am Tagebau vorbei, einer der Bagger war die ganze Zeit sichtbar. Dort angekommen entwickelte sich in der Gruppe ziemlich schnell eine Eigendynamik, indem sehr viele in Richtung Hambacher Wald und Tagebaukante strömten. Wir schlossen uns an, es war sowieso unser Plan im Wald mittag zu essen. Die Abbruchkante ist hier ziemlich nah am Wald, und weder durch Schilder noch durch Zäune abgegrenzt. Direkt hinter dem Wald ist ein erster Erdwall aufgeschüttet worden, gefolgt von etwa hundert Metern Brachfläche und einem zweiten Erdwall. Und schon standen wir mehr oder weniger direkt vor dem größten Tagebau Deutschlands. Der Tagebau Hambach wurde 1978 in Betrieb genommen und ist aktuell 8500 Hektar groß und 400 Meter tief. Selbst vor diesem Abgrund zu stehen ist etwas ganz anderes, als es nur in Bildern zu sehen. So weit das Auge reicht, sind nur braune Terrassen zu sehen, durchzogen von den gigantischen Schaufelradbaggern. Es kommt einem tatsächlich so vor, als würde man auf eine Mondlandschaft schauen. Der Anblick ist gleichzeitig unglaublich abstoßend und erschreckend, aber auch irgendwie faszinierend. Es ist kaum vorstellbar, dass hier, wo jetzt nur noch Erde, Ton und viel Leere sind, mal einer der ältesten Wälder Mitteleuropas und viele Ortschaften standen, und das alles vernichtet wurde, um Jahrmillionen alte Bäume zu verfeuern.


Um dem bedrückenden Loch zu entkommen, liefen wir zurück in den Hambacher Wald, um dort mittag zu essen. Nach einem kurzen Abstecher zum Wiesencamp und zur Ende Gelände Hambi-Mahnwache, ging es danach wieder zurück zur S-Bahn. Die Bahnstrecke Horrem-Düren war von der Polizei gesperrt worden – angeblich aus Angst, dass Leute auf die Schienen laufen. Eventuell dachte die Polizei, Aktivisten könnten nicht zwischen der DB-Strecke und der Hambachbahn unterscheiden, die das Hauptziel der diesjährigen Ende-Gelände-Aktion war. Die Hambachbahn ist eine private Bahnstrecke von RWE und so etwas wie die Hauptschlagader der Braunkohleverstromung. Über die Bahn wird die Kohle aus der Grube zu den Kraftwerken gebracht. Eine Blockade der Bahn ist daher sehr effektiv, da es die Zulieferung der Kraftwerke mit Kohle unterbindet. Außerdem sind auf beiden Seiten der Strecke Steilwände, was eine Räumung deutlich erschwert. Über 2,000 Leute schafften es tatsächlich auf die Gleise, viele davon harrten dort über Nacht aus. Die Polizei schaute zu ohne etwas unternehmen zu können – Eine Räumung wäre bei der schieren Menge an Leuten praktisch nicht möglich gewesen. Erst am Sonntagmorgen gegen 11 Uhr beschlossen die meisten der Aktivisten, die Blockade zu verlassen. Die Polizei hielt hier ihr Wort und ließ alle, die freiwillig gingen, ziehen. Ungefähr 400 Aktivisten blieben danach noch übrig, die sich teilweise mit Lock-Ons an die Schienen gekettet haben. Jetzt fing die Polizei mit der Räumung an. Noch einmal sechs Stunden dauerte es, um alle von den Schienen zu bekommen. Manche wurden in einen Schienenbus geladen, andere über Tragen die Böschung hinaufgezogen. Dabei ging die Polizei wohl ziemlich rabiat mit den Demonstranten um, einige mussten danach ins Krankenhaus. Bevor die DB-Bahnstrecke gesperrt wurde, sperrte die Polizei auch die A4. Anders als manche Medien wie der kohlelobbynahe Kölner Stadtanzeiger und sogar der Spiegel berichteten wurde die Autobahn gesperrt bevor die Finger in die Nähe kamen, vermutlich um die Wasserwerfer positionieren zu können. Die Aktivisten sind nicht so lebensmüde, auf eine befahrene Autobahn zu laufen. Weitere Fakten, die von einigen Medien falsch dargestellt wurden, hat Ende-Gelände im Nachhinein zusammengetragen.
Wirklich objektiv die Tatsachen berichtet und gut recherchiert haben übrigens die öffentlich-rechtlichen Medien mit Tagesschau und heute-Nachrichten. In den heute-Nachrichten bin ich sogar zu sehen, auf dem Weg zurück von der Tagebaukante.


Etwa eine halbe Stunde nachdem wir den Buirer Bahnhof erreicht hatten, fuhren die Bahnen wieder, zunächst eine nach Köln, bald darauf auch eine nach Düren. Der Fußweg zum Camp dauerte dann nochmals eine knappe Stunde, sodass wir ziemlich fertig dort ankamen. Nach einer Stärkung gingen wir noch zum Abendplenum im rappelvollen Zirkuszelt, bei dem unter anderem Bilder und Videos des Tages gezeigt wurden, unter dem Jubel von allen Anwesenden. Das offizielle Video zur Aktion ist hier zu finden. Bald nach dem Plenum verkroch ich mich dann nach dem langen Tag in mein Zelt.

Der Sonntag war für mich weniger ereignisreich. Ursprünglich wollte ich erst am Montag zurück fahren, da sich aber einige Karlsruher fanden, die sonntags schon fahren wollten, schloss ich mich dort an. Ein paar mal übernahm ich wieder eine Schicht beim Abspülen, für die Koordination war inzwischen aber jemand anderes zuständig. Am Nachmittag erreichte dann die große Gruppe derjenigen, die die Nacht auf den Schienen verbracht hatten und freiwillig wieder gegangen waren, das Camp. Empfangen wurden die Aktivisten von einer Trommelgruppe und das ganze Camp jubelte ihnen zu. Jetzt begann der gemütliche Teil, im Zirkuszelt spielte zunächst ein ziemlich gutes Duo mit Gitarre und Geige, und später ein Alleinunterhalter, der ein bisschen im Style von Ed Sheeran mit einem Looper auftrat, aber ohne Gitarre sondern rein a capella. Bis zum Ende schaute ich ihn mir allerdings nicht an, da es dann wieder im Kleinbus Richtung Karlsruhe ging, wo wir spätabends ankamen.

Im Nachhinein bin ich ziemlich froh, dass ich mich dazu entschlossen habe, mit zur Aktion zu fahren. Ich habe sehr viel gelernt, unzählige Eindrücke gesammelt und neue Freunde gefunden. Und auch wenn das vielleicht übertrieben klingt, hab ich das Gefühl, meinen kleinen Beitrag dazu geleistet zu haben, die Welt ein bisschen besser zu machen. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass nicht alles umsonst war, und dass wenn schon nicht RWE, dann unsere Regierung bald etwas unternimmt, um diesen lebensraumvernichtenden Wahnsinn des Kohletagebaus zu beenden.

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