Die Tempel von Angkor wurden zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert erbaut. Sie waren das Zentrum des Khmer-reiches, das zu seiner Zeit bis weit in die malayische Halbinsel hinein reichte. Bis heute sind die Tempel die größten religiösen Bauwerke der Erde. Zur Mitte des 14. Jahrhunderts nahm die Bedeutung Angkors ab, das Thai-Reich im Westen holte sich Gebiete zurück und die Hauptstadt des Khmer-Reiches verlagerte sich nach Süden ins heutige Phnom Penh.
Der erste Europäer, der die Anlagen in Europa bekannt machte, war der Franzose Henri Mouhot im 19. Jahrhundert. Danach wurde die Anlage zunächst bei wissenschaftliche Expeditionen und Kunsträubern beliebt, später kamen dann auch immer mehr reguläre Touristen.

Die Stadt nahe der Tempelanlagen heißt Siem Reap und gefiel mir von Anfang an deutlich besser als Phnom Penh. Nachdem wir um sechs Uhr morgens mit dem Nachtbus dort angekommen waren, konnten wir natürlich noch nicht ins Zimmer. Also suchten wir uns zunächst ein Café um gemütlich zu frühstücken. Danach chartererten wir zu dritt ein Tuktuk, um die Angkor-Tempel zu besichtigen.
Die beiden Mädels waren nur für einen Tag in Siem Reap, ich holte mir aber ein Drei-Tages-Ticket für die ausgedehnten Anlagen.

Prinzipiell kann man die Tempel natürlich in beliebiger Reihenfolge anschauen, es gibt jedoch zwei Haupttouren: eine kleine, die die Hauptattraktionen beinhaltet, und eine große, die fast den ganzen Park abdeckt. Wir entschieden uns für die kleine, was eine gute Entscheidung war: Für einen Tag sind das definitiv genug Tempel!
Der berühmteste Tempel, wenn auch nicht der größte, kam gleich ganz am Anfang der Tour: Angkor Wat. Symmetrie war für die damaligen Buddhisten sehr wichtig. Der Wassergraben um den Tempel ist als fast perfektes Quadrat mit einer Kantenlänge von ungefähr anderthalb Kilomter angelegt. Darin folgt, wieder als Quadrat angelegt, eine Mauer, die den kompletten Haupttempel mit seinen fünf charakteristischen Türmen umschließt.
Es war immer noch relativ früh, und daher noch nicht sehr voll. Der Fahrer wartete während unserer Tempelerkundung draußen in seinem Tuktuk. Alleine die Außenmauern sind schon in unglaublicher Detailtreue gearbeitet, überall sind verschiedene Muster oder kleine Bildergeschichten in den Stein geritzt.


Hinter der Außenmauer, durch die man auch in einem Säulengang, entlanglaufen kann, habe ich dann das erste Mal die Anlage in ihrer ganzen Pracht sehen dürfen. Die Türme ragen unverwüstlich in den Himmel, und man kann nur Bewunderung für die Baumeister vergangener Jahrhunderte empfinden. Man kommt nicht ganz nach oben in die Türme, aber auch eine Galerie auf Höhe der äußeren Türme mit Ausblick auf die umgebende Anlagen und den Regenwald.

Der nächste Tempel auf der Tour war der größte Tempel, Angkor Thom. Auch dieser Tempel ist von einem Wassergraben umgeben, und hat eine Seitenlänge von 3 Kilometern. Innerhalb der Mauern stehen ein Dutzend Steinbauwerke, unter anderem das Bayon, wo wir den nächsten Stopp machten. Rund 200 riesige Gesichter sind hier in die Steinmauern geritzt und verfolgen einen wohin auch immer man geht innerhalb der Anlage. Beeindruckend, aber auch ein bisschen gruselig! Neben dem Bayon befinden sich auch noch die Terasse der Elefanten und der Tempelberg Baphoun innerhalb der Ta Prohm-Anlage, die hab ich allerdings erst am nächsten Tag erkundet.

Über eine von Löwen flankierte Brücke ging es wieder runter vom Gelände des Angkor Thom zum Mittagessen, wo es mal wieder gebratenen Reis mit Gemüse gab. Der nächste und vorletzte Tempel für den Tag war Ta Prohm. Im Vergleich zu den beiden vorherigen Tempeln ist er sehr klein, dennoch ist es mein Lieblingstempel in der Anlage. Obwohl "erst" Ende des 12. bis hinein ist 13. Jahrhundert erbaut, ist die Anlage längst nicht so gut erhalten bzw. restauriert wie Angkor Wat. Die Natur hat richtig gute Arbeit geleistet, sich den Ort zurückzuerobern. Überall wachsen Büsche und Dutzende Meter hohe Bäume, die sich durch den Stein hindurchgekämpft haben. Manche Bäume wachsen einfach aus drei Meter hohen Mauern heraus, ein Baum hat eine Mauer so umschlungen, dass man gerade noch ein in Stein gemeißeltes Gesicht durch eine Lücke im Stamm erkennen kann. Eine beeindruckende Demonstration der Kraft von Mutter Natur!

Der letzte Stop war ein noch kleinerer Tempel direkt an einem See - Banteai Kdey. Hier liefen wir eigentlich nur noch durch, genug Tempel für einen Tag! Auf dem Rückweg konnten wir noch ein paar Affen auf und neben der Straße beim Spielen beobachten, bevor es zurück ins Hostel ging, wo das Einchecken inzwischen dann auch möglich war.

Nach einer kleinen Erholung im hoteleigenen Pool ging ich mit einer Gruppe aus dem Hostel noch auf den Night Market. Dieser ist deutlich touristischer als in Phnom Penh. Zwar gibt es auch hier Streetfood, doch es überwiegen Stände mit Souvenirs aller Art. Eine interessante Sache sind Ice Cream Rolls, eine Mischung aus Eis und Keks in gerollter Form. Auf einer eiskalten Platte wird eine Art Teig mit Milch übergossen und dann aufgerollt, und mit Früchten oder Oreo-Keksen serviert. Leckere Sache!

Den nächsten Tag ließ ich etwas ruhiger angehen. Es schüttete wie aus Eimern, so wie es nur in den Tropen regnet. Also planschte ich erstmal eine Weile im Hostelpool. Wirklich besser wurde das Wetter nicht, trotzdem wagte ich mich nachmittags hinaus. Mit einem Regenponcho bewaffnet lief ich ein bisschen durch die Stadt, weniger auf Straßen als durch Pfützen und Schlamm. Da für die restlichen Tempel noch genug Zeit blieb, ging ich in ein Museum, das wie sich herausstellte auch wieder Folterinstrumente aus der Zeit des Bürgerkriegs zeigte. Relativ bald ging ich zurück ins Hostel und ins Bett, denn ich hatte mir vorgenommen, am nächsten Morgen den Sonnenaufgang über dem Angkor Wat Tempel anzuschauen. Die Sonne geht hier zwischen halb 5 und 5 Uhr morgens auf, eine Unzeit, vor allem für mich als Langschläfer. Mit einem geliehenen Fahrrad mit improvierter Lampe schaffte ich es tatsächlich aus dem Bett und gesellte mich zu Hunderten anderen, die hinter den beiden Tümpeln mit Blick nach Osten auf die majestätischen Türme standen. Für einen gelb-roten Himmel war die Wolkenfront leider etwas zu stark, trotzdem hatte es sich gelohnt: Im goldenen Licht der Morgensonne sah der Tempel noch schöner aus als zwei Tage zuvor!

Wie auch mit dem Tuktuk zuvor, fuhr ich nach dem Angkor Wat, wo ich erstmal ausgiebig gefrühstückt hatte, zum Ta Prohm. Statt zum zentralen Bayon fuhr ich aber zum Baphoun, einem Tempelberg am Rande des Tempelkomplexes. Die super-faulen und tierquälerisch veranlagten Touristen können hier auch auf dem Rücken eines Elefanten hochreiten, besonders lange dauert es aber auch zu Fuß nicht, bis man eine wunderschöne Aussicht hinüber zum benachbarten Wat und den Regenwald darüber hinaus erhält.

Nicht weit entfernt finden sich auch die Elefantenterassen. Während hier früher sicherlich auch echte Elefanten herumspaziert sind, kann man heute nur noch unzählige Exemplare aus Stein hier sehen.

Relativ müde nach der kurzen Nacht kehrte ich schon recht bald ins Hostel zurück und plante den nächsten Teil meiner Reise. Bevor es weiter ging blieb mir aber immer noch ein Tag in den Tempelanlagen. Ich mietete wieder ein Fahrrad, diesmal ein echtes Mountainbike, was gut war, denn ich hatte vor, die weiter außen gelegenen Anlagen anzuschauen. Preah Khan ist eine der ältesten Anlagen. Für sich alleine genommen wäre es wahrscheinlich eine beeindruckende Anlage, im Schatten der benachbarten Tempel gibt es allerdings nicht Herausragendes. Noch weiter östlich folgt der East Baray, eine Mischung aus See und Moor, in dessen Mitte ein weiterer kleiner Tempel inmitten von Seerosen liegt. Die Besonderheit des Banteay Samre, noch weiter außen gelegen, sind lebensgroße Elefantenstatuen, die auf einer Art Galerie in den Dschungel blicken.

Inzwischen war es Mittag geworden, und die Sonne prallte erbarmungslos vom Himmel. Aber ich hatte mir vorgenommen, einen weit außerhalb gelegenen Tempel auf einem Berg zu erkunden. Also fuhr ich die ungefähr 10 Kilometer hinaus aufs Land. Dabei sah ich das erste Mal selbst, wie die Kambodschaner auf dem Land leben. Die vorherrschende Art von Haus ist aus Holz, steht auf Stelzen und hat ein Dach aus Bambus und Stroh. Der Platz zwischen den Stelzen unterhalb des eigentlichen Hauses dient als Wohn"zimmer" und Küche. Oben schläft die Familie auf wenigen Quadratmetern. Neben den Häusern sind Reisplantagen, wo die Bewohner mutmaßlich einen großen Teil ihrer Zeit verbringen. Kaum vorstellbare Verhältnisse für den verwöhnten Mitteleuropäer!

Schließlich erreichte ich den Fuß des Phnom Bok, meinem Zielberg. Wie erwartet war es hier deutlich ruhiger als in den Hauptanlagen. Nach einer kurzen Pause machte ich mich dann an den Aufstieg auf den Berg. Durch Regenwald geht es stetig hinauf, vorbei an Tausendfüßlern, riesigen Ameisen, hunderten bunter Schmetterlinge und exotischer Pflanzen. Oben angekommen war ich mir so heiß, wie ich mich wohl noch nie zuvor gefühlt hatte. Der Schweiß rann aus Strömen an mir herunter, vielleicht war die Idee, am frühen Nachmittag hier her zu kommen doch nicht die Beste. Aber ich hatte es geschafft und konnte den Ausblick und die Natur genießen. Auch hier oben findet sich eine Ruine, die allerdings deutlich schlechter erhalten ist als diejenigen im Tal.

Langsam und gemütlich fuhr ich anschließend zurück ins Hostel um mich erstmal abzukühlen. Dieser heiße Tag war mein letzter in Kambodscha, am nächsten Morgen hatte ich einen Bus nach Bangkok, der Hauptstadt Thailands gebucht, wo das Abenteuer weiter geht!

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