Nach knapp zwei Wochen verließ ich Kambodscha gen Thailand. Von Siem Reap aus nahm ich den Bus nach Bangkok. Nach dreieinhalb Stunden erreichte der Bus Poipet, die Grenzstadt auf kambodianischer Seite. Das Gepäck musste ausgeladen werden, und mitsamt meinem Gepäck durfte ich mir zuerst den Ausreisestempel abholen, dann über die Grenze laufen und mir den thailändischen Stempel abholen. Die Grenze ist total unübersichtlich, nirgends sind Schilder und nur indem ich mich an "Profis" gehalten habe, schaffte ich es zur richtigen Schlange.

Den Stempel in Thailand abzuholen war dann simpel: Arrival Card ausfüllen, in der Schlange warten und angekommen am Schalter nach 10 Sekunden mit einem weiteren Stempel im Pass durchgewunken werden. Sofort nach der Grenze merkt man, dass Thailand deutlich weiter entwickelt ist als Kambodscha. Die Rumpelstraßen weichen sechsspurigen Autobahnen, der allgegenwärtige Müll ist praktisch verschwunden. Fünf Stunden dauerte der Rest der Fahrt, bis ich am frühen Abend in Bangkok ankam. Nach den Erfahrungen in Kambodscha war ich sehr positiv überrascht. Die Stadt ist verhältnismäßig sauber, hat einen funktionieren öffentlichen Nahverkehr, Smog gibt es keinen, auf den Straßen geht es gesittet zu. Da es inzwischen schon recht spät geworden war, suchte ich zunächst mein Hostel, "Some Rest", das sehr zentral in der Nähe der Khaosan Road, der Haupt-Touristenbummelstraße gelegen war, aber doch weit genug weg um seine Ruhe zu haben. Die Khaosan Road erkundete ich dann direkt auch, vor allem um mir etwas zu essen zu suchen. Das gibt es dort reichlich, zusammen mit sämtlichen Souvenirs die man nur vorstellen kann (und mehr als das). Nach einem kurzen Schlenker zum Chao Phraya, dem Fluss der quer durch die Hauptstadt fließt, ging ich dann zurück zum Hostel.

Effektiv hatte ich nur einen Tag in Bangkok eingeplant, den ich aber voll ausnutzte. Zusammen mit Mexico aus Mexiko (ja, er heißt wirklich so!) aus dem Hostel fuhr ich morgens mit dem Bus zu zwei Märkten der besonderen Art. Der erste Stopp war Maeklong südlich von Bangkok. Schon der Markt an sich ist für den gemeinen Europäer super ungewohnt. Die Stände und Waren sind so eng beeinander, dass kaum zwei Leute aneinander vorbeikommen. Es werden alle möglichen Arten tropischer Obstsorten wie Litschi, Jackfruit, Durian und Mangosteen (eine kleine violette Flucht mit weißem Fleisch, super süß und richtig lecker!) angeboten. Für mich ziemlich abschreckend waren Fische und Fleisch, die roh und völlig ungekühlt in der schwülen Hitze herumstanden. Das eigentlich besondere an diesem Markt ist allerdings der Standort. Die Stände des Marktes sind auf beiden Seiten einer Zugstrecke aufgebaut. Die Leute laufen zwischen den Gleisen hindurch von Stand zu Stand, die Waren berühren die Gleise teilweise sogar schon. Und die Zugstrecke ist in Betrieb! Jeden Tag um kurz nach halb neun fährt ein Zug hindurch. Die Händler packen dann die Waren, die am weitesten vorne stehen ein, und entfernen Sonnenschirme. Alle Marktbesucher suchen sich ein Plätzchen in einem der Stände und beobachten den Zug, der im Schritttempo durch den Markt fährt. Angeblich fand der Markt schon vor dem Bau der Zugstrecke hier statt. Da kein alternativer Platz gefunden werden konnte, wurde entschieden, einfach den Markt weiter stattfinden zu lassen. Ein sehr merkwürdiges aber cooles Erlebnis!


Nicht weit entfernt vom Railway Market, in Dumnoen Saduak, befindet sich der Floating Market. Anders als der Markt von Maeklong, der vorwiegend von Einheimischen genutzt wird, ist der Floating Market eine Touristenattraktion. Statt Lebensmitteln werden fertiges Essen, und Souvenirs aller Art angeboten. Wie der Name schon vermuten lässt, kann man durch diesen Markt nicht einfach hindurchlaufen. Die Stände sind auf Stelzen in einem flachen See aufgebaut. Jeder Marktbesucher chartert sich eine Art Stocherkahn. In diesem wird man dann von Stand zu Stand gebracht. Ich erstand ein superschönes Bild von einem Tiger und probierte Durian-Eis – Bei letzterem wird es bei dem einmaligen Versuch bleiben. Die Durian heißt auch Stinkfrucht, und das Eis hat so geschmeckt, wie die Frucht riecht. Aber einen Versuch war es wert!

Zurück in Bangkok besuchten wir im Schnelldurchlauf die bekanntesten Sehenswürdigkeiten, allen voran den Grand Palace. Was schon vor dem eigentlichen Eingang sofort auffällt, sind die unzähligen Thais, die komplett in Schwarz bekleidet hier herkommen. Anlass hierfür ist der Tod des Königs Bhumibol Adulyadej, auch Rama IX genannt im Oktober 2016. Der König hatte seit 1946 regiert und war sehr beliebt unter den Thais, deshalb kommen die Leute fast ein Jahr später immer noch von allen Landesteilen um am Grab des Königs ihm die letzte Ehre zu erweisen. Für Ausländer ist das Grab nicht zugänglich, weite Teile des Palasts kann man aber besichtigen.
Der Palast selbst ist fast schon übertrieben prunkvoll eingerichtet. Unter Rama I wurde 1782 mit dem Bau begonnen. An Gold wurde nicht gespart, komplette Türme sind zumindest von Blattgold überzogen. Eine solche Anlage wäre in Deutschland höchstwahrscheinlich nicht denkbar. Im Zentrum des Palastes steht der Tempel des Smaragd-Buddhas. Dieser ist tatsächlich komplett grün, allerdings erstaunlich klein, ich schätze ihn auf etwas einen Meter Länge. Der Tempel ist wohl der heiligste buddhistische Tempel Thailands, deshalb darf man darin auch keine Fotos machen. Neben dem großen Tempel gibt es im Palast auch viele kleinere, unzählige kleine Türmchen und Statuen. Auch eine Miniaturnachbildung des Angkor Wat, früher mal Teil des Thai-Reiches, findet sich hier. Die Palastanlagen werden bewacht von Wachmännern, die sich keinen Millimeter bewegen und sehr stark an die Beefeaters aus dem Buckingham Palace in London erinnern. Am hinteren Ende des Palastes folgt dann der private Teil, der bis heute theoretisch Residenz der Königsfamilie ist, auch wenn der König meistens woanders lebt.

Nach einem kurzen Snack in einem kleinen Streetfood-Lokal direkt neben dem Fluss besichtigten wir den nahe gelegenen Wat Pho-Tempel. Auch die Anlage von Wat Pho besteht aus mehreren Tempelgebäuden. Hauptattraktion dieses Tempels ist der Liegende Buddha. Anders als der Emerald Buddha ist der liegende tatsächlich unglaublich groß. Alleine schon der Kopf füllt den gesamten Saal bis zur Decke aus. Die Statue ist insgesamt beeindruckende 46 Meter lang und 15 Meter hoch. Und nein, auch hier wurde nicht an Gold gespart… Nebenan ist noch ein kleinerer Tempel mit einem sitzenden Buddha. Darin saßen gerade eine Gruppe buddhistischer Mönche in ihrer typischen orangenen Kleidung und sangen. Obwohl ich natürlich nichts verstehen konnte, klang es wirklich schön, sodass wir einige Zeit einfach nur in dem Tempel sitzen blieben und den Mönchen lauschten.

Nach einem langen Tag kehrten wir zunächst zurück ins Hostel, um dann nochmal auf der Khaosan Road etwas zu essen zu suchen. Am nächsten Morgen fuhr ich dann bereits weiter zu meinem nächsten Stopp, Kanchanaburi.

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