Die ElephantsWorld in der Nähe von Kanchanaburi ist ein Zufluchtsort für Elefanten, die in verschiedenen Industrien ein schweres und schlechtes Leben hatten und entweder zu alt geworden waren um weiterzuarbeiten, zu stark verletzt oder gerettet wurden. Das Motto der Einrichtung ist "Wir arbeiten für die Elefanten, nicht die Elefanten für uns".

Die ElephantsWorld wurde 2008 mit drei Elefanten gegründet. Inzwischen sind 27 Elefanten hier zuhause, zwischen sechs und 87 Jahren. Nur drei Männchen sind dabei, der Rest ist weiblich. Dies liegt daran, dass die Elefantenrüden deutlich aggressiver sind als die Weibchen, und es bei den meisten Männchen zu gefährlich wäre, sie frei im Gelände herumlaufen zu lassen. Rüden werden aber nicht einfach abgelehnt, sondern in andere, größere Sanctuaries gebracht.
Elefanten wurden in Thailand seit vielen Jahrzehnten als Arbeits- und Zirkustiere missbraucht. Im 20. Jahrhundert wurden Elefanten vorwiegend in der Forstwirtschaft eingesetzt, um Baumstämme aus dem Wald herauszuschleppen. Viele Elefanten zogen sich schwere Verletzungen von der harten Arbeit zu. 1989 wurde in ganz Thailand die Abholzung von Regenwald verboten, da die Zerstörung großer Teile des Waldbestandes verheerende Fluten hervorgerufen hat. Da wilde Elefanten vorwiegend im Wald leben, hat sich dadurch die Zahl freilebender Elefanten von geschätzten 100,000 Tieren im Jahr 1900 auf circa 2,000 heutzutage reduziert. Man sollte meinen, das Abholzungsverbot war also gut für die Elefanten. Für die Besitzer fiel allerdings die Einnahmequelle weg, sodass sie die Elefanten in der Tourismusbranche einsetzten.
Manche Elefanten wurden dazu gezwungen durch die Städte zu laufen, um als "Bettel-Elefanten" Spenden zu generieren. Die Stadtumgebung ist für Elefanten der Horror. Sie werden aus ihrer natürlichen Umgebung, dem Wald, gerissen. Elefanten sind hitze- und sonnenempfindlich und können leicht Sonnenbrand bekommen. In der Stadt sind sie - anders als im Wald - der Sonne schutzlos ausgeliefert. Sie bekommen dort nur sehr schlechtes Futter. Die Tiere haben einen äußerst sensiblen Tastsinn, sie können das Stampfen eines Artgenossen über 16 Kilometer wahrnehmen. Die Stadt mit all ihrer Hektik und Lärm setzt die Elefanten konstantem Stress aus. Seit 2004 ist es verboten, Elefanten in städtischen Regionen zu halten, die Regierung hat aber immer noch Schwierigkeiten, das Gesetz umzusetzen.
Die meisten ehemaligen Arbeitselefanten wurden allerdings als Trekkingelefanten eingesetzt, also um Touristen auf ihren Rücken reiten zu lassen. Was viele nicht wissen: Die Wirbelsäule von Elefanten ist sehr empfindlich. Mit einem 50kg schwerem Sattel plus bis zu vier Personen beladen tragen die Elefanten irreversible Schäden davon. Viele Elefanten werden dazu getrieben, 10 Stunden am Tag zu arbeiten. Wilde Elefanten lassen zudem keine Menschen auf ihrem Rücken reiten. Um sie zu "dressieren" werden junge Elefanten von ihren Müttern getrennt und in sehr engen Käfigen gehalten oder mit Seilen fixiert. Dort werden sie geschlagen, bekommen nichts zu essen und Schlafentzug. Die Angst, wieder gefoltert zu werden, bringt die Elefanten dazu, das zu tun was ihre Besitzer von ihnen verlangen. Elefantenreiten ist immer noch legal, nicht nur in Thailand sondern in ganz Asien. An alle die das hier lesen: Bitte, bitte, nehmt niemals an einem Elefantenreitcamp oder Ähnlichem teil!!!

Die ElephantsWorld bietet Ein- und Zweitagestouren über das Gelände des Sanctuarys an, bei denen man mit den Elefanten interagieren kann. Ich entschied mich für die Tagestour. Morgens am 13. Juni wurde ich vom Hostel abgeholt und mit dem Minivan zu den Elefanten gebracht. Das Gelände liegt eine halbe Autostunde außerhalb von Kanchanaburi umgeben von einem Fluss, Wald und Feldern. Nach einer kurzen Einführung und Sicherheitshinweisen, wie zum Beispiel dass man sich einem Elefanten niemals von hinten nähern sollte, und dass es sehr gefährlich ist zwischen zwei Elefanten zu stehen, ging es auch schon los mit dem ersten Programmpunkt. Wir durften den Elefanten ihren Frühstückssnack füttern. Der bestand aus Wassermelonen, Bananen und einer regionalen Kohlsorte die ein bisschen aussieht wie eine Süßkartoffel. Jeder bekam einen Korb voll und einen Elefanten zugewiesen, den er füttern durfte. Mein Elefant war Nor Ko Tok, eine 18-jährige Elefantendame, die seit 2016 im Camp ist und zuvor als Trekkingelefant arbeiten musste. Sie war sehr hungrig, ich war mit der erste dessen Korb leer gefressen war. Danach hat sie versucht, vom Nachbarelefanten noch ein paar Früchte zu stibitzen.


Die Elefanten nehmen ihr Essen zu sich, in dem sie es sich ans Ende des Rüssels halten, circa 30cm vor der Spitze. Dann rollen sie die Spitze ein, um das Essen festzuhalten, um es dann über ihrem Mund wieder loszulassen. Eine ähnliche Prozedur ist auch das Trinken: Wasser wird mit dem Rüssel eingesogen und dann in den Mund gespritzt.
Nach der ersten Fütterung gingen wir mit den Elefanten hinunter zum Fluss. Die Mahouts, die Elefantenwärter, führten die Elefanten zum ersten Bad des Tages in den Fluss, und wir durften ihnen beim Planschen zuschauen. Die meisten wateten nur träge durchs Wasser, eine Elefantin hatte aber richtig Spaß, und suhlte sich regelrecht im Fluss.

Anschließend wurden alle in kleine Gruppen eingeteilt, die jeweils ein etwas anderes Programm hatten. Meine Gruppe durfte für zwei ältere Elefantendamen ihren Nachmittagssnack zubereiten. Da beide bereits keine Zähne mehr haben, bekommen sie eine Spezialdiät in Form von Reis-Kürbisbällchen. Zunächst sollten wir den Kürbis in kleine Würfelchen schneiden. Dann wurde in einer Feuerstelle ein Feuer gemacht und ein gigantischer Wok darüber gestellt. Da hinein kam der Reis inklusive Wasser sowie unsere Kürbisstückchen. Dann rührten wir mit Kochlöffeln die eher an Paddel erinnerten die Suppe 20 Minuten lang durch, bevor der Topf zum abkühlen beiseite gestellt wurde. Die Menge hätte wahrscheinlich eine Schulklasse satt gemacht - oder zwei greise Elefanten für ein paar Minuten.

Anschließend gab es Mittagessen, und danach etwas Theorie. Ich lernte, was Elefanten essen (streng vegan, so ziemlich alle möglichen Früchte und Blätter), wie sie leben wenn sie nicht in Gefangenschaft gehalten werden (in Familienclans) und wie intelligent sie sind. Es stimmt, das Elefanten ein unvorstellbar gutes Gedächtnis haben. Zwei Elefanten im Sanctuary haben vor drei Jahrzehnten mal in einem Trekkingcamp zusammen gearbeitet. Hier wiedervereint erkannten sie sich sofort wieder und sind seitdem unzertrennlich. Elefanten sind die einzigen Tiere, von denen bekannt ist, dass sie unter posttraumatischen Störungen leiden können. Sie benutzen Werkzeuge wie Stöcke, die sie geschickt mit ihrem Rüssel handhaben.
Nach dem Mittagessen wurde ich zu einem Maisfeld gefahren. Ungefähr eine Viertelstunde lang ernteten wir die Kolben, und im Anschluss daran die ganze Pflanze. Zurück bei den Elefanten fütterten wir Ihnen die Kolben, die Pflanzen wurden auf dem Boden verteilt um nach und nach gegessen zu werden. Bevor es zurück zum Kürbismais ging, schauten wir den Elefanten eine Weile beim Spielen zu. Elefanten lieben es, sich im Dreck zu suhlen und damit zu bespritzen. Das hat mehrere Nutzen: Es schützt sie vor der Hitze, vor der Sonneneinstrahlung und nervigen Fliegen. Klingt komisch, aber Elefanten haben eine recht empfindliche Haut und können Sonnenbrand bekommen. Die kleinste Elefantin spielte mit einem Reifen und versuchte minutenlang, alle vier Beine hinein zu bekommen, was natürlich scheiterte. Sehr süß!

Zurück bei der Suppe kneteten wir den Teig, der durch den Reis sehr klebrig geworden war, und formten ihn in Bällchen. Einmal in Panade gerollt, und fertig ist das Festmahl! Anschließend durften wir eine der Damen füttern. Sie weiß genau, wer etwas Futter in der Hand hat, und ging mit ihrem Rüssel immer zielstrebig zu den Bällchen. Als keine mehr übrig waren, versuchte sie unsere Hände, die noch voll mit dem klebrigen Teig waren, abzuschlecken, was ziemlich gekitzelt hat!
Nun stand das Highlight an: Baden zusammen mit den Elefanten! Die Mahouts führten die Elefanten in den Fluss, und wir durften ihnen mit Eimern und Bürsten bewaffnet folgen. Mit den Eimern spritzen wir die Elefanten nass, und anschließend wurden sie gebürstet. Der Babyelefant war auch wieder dabei, und fing an mit uns zu spielen, indem er das Nassspritzen erwiderte. Mit dem Rüssel sog sie das Wasser ein und spritzte es in einer Fontäne auf die Umstehenden. Zwei Ladungen bekam ich voll ab, und war danach klitschnass. Es hat unglaublich Spaß gemacht!!

Abgekühlt ging es zurück zur Futterstation wo jeder nochmal einen Obst/Gemüseeimer bekam, dann war der Tag leider auch schon wieder vorbei. Elefanten sind sehr tolle, friedliebende intelligente Tiere, die jeden Schutz und Pflege die man ihnen geben kann verdient haben. Dieser Tag war eines der Highlights dieser Reise, ich hoffe, dass es bald wieder mehr wilde Elefanten gibt. Töröööö!

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