Mein nächstes Ziel nach Ratchaburi war Koh Tao, eine recht kleine Insel im Golf von Thailand, rund 70 Kilometer vom Festland entfernt. Dorthin hin kommen war fast eine Tagesreise, Thailand ist doch ein relativ großes Land. Zur Abwechslung fuhr ich mit dem Zug, das erste Mal seit Deutschland wenn man von den Nahverkehrszügen in Auckland und Singapur absieht.

Das Eisenbahnsystem in Thailand ist zumindest auf den Hauptstrecken ziemlich gut ausgebaut. Es gibt drei verschiedene Zugklassen: einen Schnellzug, der vielleicht mit den älteren Intercity-Modellen vergleichbar ist, und zwei Modelle mit häufigeren Halten, einer klimatisiert, einer nicht. Da ich gelesen hatte, dass durch den Durchzug auch das Klima im nicht klimatisierten Zug sehr erträglich ist, entschied ich mich für die langsamste Variante. Die circa sieben Stunden Fahrt kosteten keine 5 Euro und boten das authentische Thai-Erlebnis: ständig - und mit ständig meine ich bestimmt jede Minute - liefen Leute durch den Zug, die irgendwas verkaufen wollten, von Dingen wie gekühlten Getränken, Obst und Backwaren bis hin zu Touristenkitsch, obwohl kaum Touristen im Zug waren. Tatsächlich war die Temperatur dank der offenen Fenster aushaltbar, und die Plastiksitze bequem genug. Nur der ständige Lärm war auf Dauer etwas nervig. Gegen Abend kam ich dann in Chumphon an, die Hafenstadt von der aus die meisten Schiffe zu den beliebten Touristeninseln Koh Samui, Koh Phangan und Koh Tao abfahren, die nebeneinander im Golf liegen. Koh heißt einfach nur Insel. Samui ist die größte der Inseln, und hat die meisten größeren Ferienanlagen, ist daher bei älteren Leuten und Familien mit kleineren Kindern beliebt. Phangan ist die Partyinsel, auf der einmal im Monat die weltbekannten Full Moon Partys stattfinden. Koh Tao wiederum, für die ich mich entschieden habe, ist die kleinste der Golfinseln, aber auch die naturbelassenste. Die Gerüchte sagen, dass hier die besten Tauchspots der Region sind, und das wollte ich ausprobieren!


In Chumphon buchte ich ein Ticket für die Nachtfähre. Nach einem kurzen Bummel durch Chumphon verschlief ich fast die komplette Fahrt bis zur Insel, wo ich gegen 5 Uhr morgens ankam. Zu dieser Zeit, noch kurz vor Sonnenaufgang, war die Insel natürlich tot. Ich hatte mir ein Hostel unweit vom Anleger ausgesucht, wo jedoch noch niemand an der Rezeption war - warum auch zu dieser Zeit. Da ich noch zu müde war um mit Rucksack irgendwo hin zu laufen wartete ich vor dem Hostel, bis jemand auftauchte.
Der Hauptgrund für mich, die Insel zu besuchen, war, mal wieder zu tauchen. Ich hatte vor einigen Jahren auf Gran Canaria einen Tauchschein gemacht, so reichte mir eine kleine Auffrischung bevor ich mich in den Ozean begeben konnte. Wenn es auf Koh Tao an einem nicht mangelt, dann sind das Tauchschulen. Ich suchte mir eine aus, die sympathisch aussah. Zwei Tauchgänge sollten es werden, die am nächsten Tag stattfinden sollten.
Der Tag war ja gerade erst angebrochen, daher beschloss ich die Insel zu erkunden. Die einzige Siedlung auf der kleinen Insel ist auf der Westseite, wo auch mein Hostel lag. Hier mietete ich mir ein Mountainbike und fuhr zunächst nach Norden parallel zum Strand, wo die Häuser dann fast ausschließlich aus Hotels bestanden. Von dort aus hatte ich auf meiner Karte einen kleinen Weg auf die andere, unbewohnte Seite der Insel entdeckt. Der stellte sich als sehr anstrengend heraus. Zunächst mal ging es auf einem Schotterweg super steil bergauf, sodass ich sehr bald wieder von oben bis unten verschwitzt war. Immerhin befand ich mich mitten im thailändischen Urwald, sodass ich in den vielen nötigen Pausen auch die Bäume bewundern konnte. Als es dann auf der anderen Seite wieder hinabging, wurde der Weg mehr zu einem Pfad, wo ich definitiv nicht mehr mit dem Fahrrad durchkam, also ließ ich das Fahrrad zurück und machte mich zu Fuß an den Abstieg.


Aber die Mühe hatte sich gelohnt. Unten angekommen erwartete mich eine wunderschöne Bucht, die ich ganz für mich alleine hatte. Die Bucht war einmal Teil eines Hotels, was aber schon einige Jahre oder Jahrzehnte her sein muss. Inzwischen hatte sich das Hotel in eine Ruine verwandelt, ein Lost Place, dessen Erkundung viel Spaß gemacht hat!

Ich hatte Schnorchelausrüstung dabei, in der ich mich ins warme Wasser begab. Die Unterwasserwelt war wunderschön. Unendlich viele Fische in vielen verschiedenen Farben streiften durch die Unterwasserlandschaft. Seht selbst! Was allerdings sehr traurig war: Die allermeisten der Korallen hier waren tot, nur noch deren Skelett ist sichtbar. Man kann nur hoffen, dass das nicht bald überall auf der Welt das Schicksal aller Korallen wird!


Auf dem Rückweg wählte ich einen anderen Weg, der mich, wiederum durch den Wald, zum wahrscheinlich höchsten Punkt der Insel brachte. Ein Felsen bietet hier einen perfekten  Panoramablick über die Insel und den dahinter liegenden Ozean, hinter dem die Sonne unterging. Zusammen mit einer Katze die sich hier hochverirrt hatte, genoss ich das letzte Licht des Tages, bevor ich zurück in die Zivilisation fuhr.


Am nächsten Tag, ein Sonntag, machte ich mich gleich morgens auf den Weg zum Bootsanleger, an dem auch die Fähre ankam. Hier haben auch die ganzen Tauchschulen ihre Boote vertäut. Viermal sollte es für mich heute ins Wasser gehen: Zuerst schnorcheln, dann zwei Tauchgänge mit Atemgerät und dann nochmal schnorcheln. Der erste Stopp schon nach wenigen Metern - quasi zum reinkommen - war auf der Südseite der Insel. Hier gab es noch viel mehr Fische als tags zuvor, die auch alle unglaublich neugierig waren. Ein riesiger Schwarm schwamm geradewegs durch meine Gruppe hindurch!

Nach der Schnorcheleinlage ging es ein paar Minuten hinaus ins offene Meer, wo ich dann zusammen mit meiner Buddy Angie aus der Tauchschule meinen ersten Tauchgang unternahm.
Beim Tauchen hatte ich keine Kamera dabei. Bis in ungefähr 15 Meter Tiefe ging es hinab, vorbei an - leider wieder vorweigend toten Korallen - einem Wrack von einem kleinen alten Schiff und Hunderten von Fischen, wovon einige auch richtig groß waren. Die Unterwasserwelt hier zu erleben war einfach toll!
Der nächste Stopp war die sehr kleine Insel Insel Koh Nangyuan. Hier gab es zunächst mal Mittagessen und eine Pause von circa zwei Stunden, in denen ich teilweise am Strand döste, aber auch nochmal meinen Schnorchel auspackte. Schon direkt am Strand gibt es hier eine sehr lebendige Wasserwelt mit Seegurken, Regenbogenfischen, unzähligen kleinen, gut getarnten Fischen und auch den einen oder anderen Seeigel.
Der zweite Tauchgang mit Angie startete auch vom Strand der Insel aus, ging aber nicht so tief wie der erste, da die direkte Umgebung der Insel eher flach ist. Anschließend ging es zurück zur Hauptinsel, wo ich mich von dem langen Tag erstmal erholte.


Koh Tao war mein letzter Stopp in Thailand, nächsten Tag ging es erneut mit der Nachtfähre zurück aufs Festland und im Kleinbus direkt weiter nach Georgetown in Malaysia. Die Reise dorthin dauerte den ganzen Tag, auf direktem Weg sind es 700km von Chumphon, allerdings fuhr der erste Bus nur bis Hat Yai ungefähr auf halber Strecke, wo ich dann eine Stunde auf den Anschlussbus warten musste. Die Grenze ist deutlich weniger verwirrend als die kambodianisch-thailändische – zumindest ist klar, wo man hin muss – aber natürlich nicht vergleichbar mit europäischen Grenzen. Ein Hoch auf den Schengen-Raum! Man muss sein ganzes Gepäck mitnehmen, dann sich damit erstmal von den thailändischen Behörden ausstempeln lassen, dann ging es weiter in die Immigration von Malaysia. Arrival Card ausfüllen, warten, am Schalter angekommen Fingerabdrücke nehmen lassen, Stempel bekommen und ab in den nächsten Bus für die letzte Strecke bis Georgetown.

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