Nach Thailand war Malaysia das nächste Zielland meiner Reise. Von Koh Tao aus war mein erstes Ziel George Town auf der Insel Penang. Seit 2008 gehört die Altstadt von George Town zum UNESCO Weltkulturerbe.
Anders als in Thailand, wo Buddhismus Staatsreligion ist und 95% der Bevölkerung buddhistisch sind, ist Malaysia vorwiegend muslimisch. Es gibt aber keine Staatsreligion, und ähnlich wie in Singapur sind auch in George Town Moscheen neben Kirchen und buddhistische neben hinduistischen Tempeln zu finden.


Am Abend meiner Ankunft und am nächsten Morgen erkundete ich die Innenstadt, die mich sehr an Singapur erinnert hat. Es ist nicht ganz so sauber, aber im Vergleich zu Thailand und vor allem Kambodscha doch ein großer Unterschied. In Little India gibt es gutes Essen in Hülle und Fülle, für 4 Euro bekam ich einen Naan, vergleichbar mit einem Flammkuchen, einen Fruchtshake und einen Bananensplit zum Nachtisch. Danach war ich pappsatt.
In der Innenstadt findet man überall Hotels, trotzdem wirkt die Stadt nicht übertrieben touristisch.
Die Hauptattraktion in George Town ist das Fort Cornwallis. Es wurde zunächst 1786 erbaut. Ich machte dort eine Führung mit, und erfuhr viel Interessantes über die Geschichte Malaysias und des Forts. Im Mittelalter, als die Pest in Europa wütete, entdeckte man, dass einige exotische Gewürze und Kräuter eine heilende Wirkung bei Menschen haben, die mit der Pest befallen sind. Die Kräuter kamen hauptsächlich von Arabern, die Handel sowohl mit Südostasien als auch mit den Europäern trieben. Irgendwann hatten zunächst die Portugiesen es satt, dass die Araber den Preis für die wichtigen Gewürze diktieren konnten und machten sich auf den Weg um das Kap der guten Hoffnung über den Indischen Ozean bis nach Malaysia. Das war im 16. Jahrhundert. Dort überfielen sie die einheimische Bevölkerung der sogenannten Spice Island und besetzten diese. Wenig später kamen auch die Holländer und kämpften mit den Portugiesen um die Vorherrschaft.

Geschickter stellte es im 18. Jahrhundert der Engländer Francis Light an. Er lernte zunächst die Sprache und freundete sich dann mit den Einheimischen an. Er ließ sich auf Penang nieder. Die Insel war zu dieser Zeit komplett bewaldet. Er ließ einen großen Teil abholzen, um Gewürze von der Spice Island hier anzupflanzen. Der einheimischen Bevölkerung wurde von den Engländern so Arbeit gegeben. Dadurch dass keine Steuern verlangt wurden wie bei den Holländern und Portugiesen waren die Engländer ziemlich beliebt. Zu Ehren des damaligen Königs George wurde die Hauptstadt in George Town und die Insel in Prince of Wales Island umbenannt. Der Name der Stadt hielt sich, die Insel erhielt wenig später wieder ihren ursprünglichen Namen Penang.
Aus Furcht vor Angriffen von Piraten und anderen Europäern ließ Light das Fort Cornwallis bauen. Zunächst bestand es aus Bambus. Ziemlich schnell wurde es dann mit Steinmauern, einem Erdhaufen als Pufferzone und einem Wassergraben erweitert. Das Fort wurde jedoch nie angegriffen. Die Lage ist sehr günstig gewählt, von der Spitze der Insel ist sowohl der Indische Ozean als auch die Straße von Malacca sehr gut einsehbar. Näherte sich ein Schiff wurde auf dem Flagstaff eine Fahne gehisst, je nach Art des Bootes eine andere. War es ein Handelsschiff, wurden kleine Boote ausgesendet, um die Waren in Empfang zu nehmen. Im 19. Jahrhundert wurde die Anlage um einen Leuchtturm ergänzt, der auch heute noch dort steht. Die neuzeitliche Nutzung bestand zunächst aus einer Bibliothek, seit 2002 ist es ein Museum mit Café und Shop.
Im ehemaligen armenischen Viertel, auch noch Teil der Kulturerbe-Kernzone, findet man eine ganze Reihe von Straßenkunstwerken. Dabei gibt es nicht nur Gemälde, sondern auch Drahtbiegungen. Zwei der Gemälde beziehen echte Gegenstände mit ein: Ein Fahrrad und ein Motorrad. Um diese herum wurde die Wand bemalt, sieht sehr cool aus!

 Auf der Lebuh Armenia hängen auch eine Vielzahl von individuell bemalten Papierballons direkt über der Straße. Im gleichen Viertel finden sich auch die Clan Jetties, benannt nach chinesischen Clans. Hierbei handelt es sich um Stadtviertel, die direkt auf dem Wasser gebaut sind. Obwohl auch heute noch Menschen hier leben, ist es vor allem eine Touristenattraktion, ähnlich den Floating Markets in Thailand, nur dass man über Stege läuft und nicht mit dem Boot von A nach B kommt.

Eine weitere Touristenattraktion ist das Upside Down Museum. Der Name ist hier Programm - alles steht auf dem Kopf! Sämtliche Räume eines Hauses, Straßenzüge, eine Bar, Gemälde und vieles mehr wurden nachgebildet, allerdings um 180° gedreht. Wenn man hier einfach so fotografiert, sieht es aus wie ein Bild, das eben auf dem Kopf steht. Stellt man sich hinein, kommen aber sehr witzige Bilder dabei heraus. Aber seht selbst!

Am Nachmittag fuhr ich mit dem Bus zum Nordteil der Insel. Von der gemütlichen Altstadt aus fuhr ich dabei zunächst durch die mit Wolkenkratzern gespickten Business-Viertel Penangs. Die Insel wird auch als Silicon Valley of the East bezeichnet, weil sich seit den 1970er Jahren viele Technologiefirmen hier niedergelassen haben. Dahinter beginnt der große weite Regenwald, Penang ist immer noch zum Großteil von Wald bedeckt. Ich besuchte den Tropical Spice Garden, ein botanischer Garten, der sich auf Früchte und Gewürze spezialisiert hat. Zunächst sieht es überhaupt nicht wie ein botanischer Garten, sondern eher wie Regenwald aus. Ein Audio-Guide führte mich durch den Park und versorgte mich mit Informationen zu allen möglichen Pflanzen, von der Ananas über Stevia bis zu Pfeffer und Tee. Wenn ihr auf die Bilder unten klickt, erfahrt ihr, um was für Pflanzen es sich handelt.

Im obligatorischen Shop vor dem Ausgang nahm ich mir noch ein paar Gewürze mit. Bevor ich nach dem ereignisreichen Tag zurück ins Hostel nach George Town fuhr, erkundete ich noch die Gegend um den Spice Garden. Viel bebaut ist hier nicht, dafür gibt es einen hübschen Strand, und auch einen Weg in den Wald hinein, den ich noch erkundete bevor ich den Bus zurück nahm. Am nächsten Tag ging es dann auch schon weiter in Richtung der Cameron Highlands, ein Hochplateau mitten in Malaysia. Die meisten Fernbusse fahren vom Festland aus, also nahm ich zunächst die Fähre, um dann vom ziemlich gut organisierten zentralen Busbahnhof nach Tanah Rata zu fahren. Vom Komfort des Busses war ich sehr positiv überrascht, der Bus war super modern, mit nur drei Sitzen pro Reihe, und dass ohne dass ich einen besonderen Premium-Bus gebucht hätte.

Negativ überrascht hat mich die Landschaft auf dem Weg dahin. Wo eigentlich tropischer Regenwald sein sollte, fährt man stundenlang vorbei an nichts als Palmplantagen. Soweit das Auge reicht erstrecken sich die Palmen, deren Öl großteils nach China exportiert wird. Einen nicht zu vernachlässigender Teil kauft aber auch die EU ein, wo es in Nahrungsmitteln und als Biokraftstoff eingesetzt wird. Vor allem letzteres erscheint sehr zweifelhaft, wenn man bedenkt, dass allein in Malaysia zwischen 1990 und 2005 laut Wikipedia 18,700 Quadratkilometer neue Palmplantagen entstanden, vorwiegend aus Rodung des Regenwaldes. Einer der wichtigsten Lebensräume dieses Planeten wird somit zerstört, damit unter anderem die deutschen Autofahrer ein besseres Umwelt-Gewissen haben können.

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