"Schlammige Flussmündung" klingt langweilig, genau das bedeutet aber "Kuala Lumpur". Die malaysianische Hauptstadt mit circa 1,6 Millionen Einwohnern wird oft einfach nur mit "KL" abgekürzt. Von der entspannten Atmosphäre der Highlands ist hier nichts mehr zu spüren, stattdessen war ich mitten im Großstadtdschungel gelandet. Ich kam mit einem normalen Linienbus in KL Sentral an, der Hauptbusbahnhof, der nicht unbedingt zentral liegt. Um in die Innenstadt und zu meinem Hostel zu kommen, fuhr ich daher mit der Straßenbahn, die etwa vier Meter  über dem Verkehr fährt, praktisch um einen ersten Eindruck von der Stadt zu bekommen. Was vor allem sofort auffällt: Es sind unglaublich viele Menschen hier. Singapur und Bangkok waren ja schon voll, aber KL toppt das zumindest gefühlt nochmal deutlich. Wie ich erst etwas später herausfand, hatten die Menschenmassen aber auch mit Eid-al-Fitr zu tun, einem der höchsten muslimischen Feste. Gefeiert wird hier das Ende des Fastenmonats Ramadan, und ähnlich wie in christlich geprägten Kulturen zu Weihnachten, ist das ganze Land unterwegs, um Familie und Freunde zu besuchen.

KL hat zwei Zentren, die Altstadt und das CBD, das Central Business District, mit unzähligen Wolkenkratzern. Für meinen ersten Tag der Stadterkundung nahm ich mir das CBD vor. Fürs Mittagessen zog ich ein indisches Restaurant dem "Bavarian Bierhaus" vor, das nicht weit vom größten Park in der Innenstadt, dem KLCC Park liegt.


Sonderlich kreativ sind ist die Namensgebung nicht, KLCC steht einfach nur für Kuala Lumpur City Centre. Direkt über den Park ragen die Petronas Twin Towers, das mit 452 Metern höchste Gebäude Malaysias. Zwischen der Eröffnung 1998 und 2004 war es sogar das höchste Gebäude der Welt. Die Skybridge, die Verbindungsbrücke zwischen den Türmen im 42. Stock, ist sogar öffentlich zugänglich, Tickets sind allerdings limitiert und müssen im Voraus erworben werden.
Bald darauf wurde ich daran erinnert, dass ich mich nahe des Äquators zu Beginn der Regenzeit befand. Ohne Vorwarnung begann es zu schütten, wie ich selten einen Regen erlebt hatte. Ans Weiterlaufen war nicht zu denken, ich flüchtete mich ins nahegelegene Hardrock-Café und sobald der Regen etwas nachgelassen hatte ins Hostel.


Am nächsten Morgen nahm ich an einer Free Walking Tour durch die Altstadt teil. Wie bereits in Singapur, handelte es sich hierbei um eine Stadtführung auf Spendenbasis. Und direkt die weitere Parallele zu Singapur, ist der Padang, wo die Tour startete. Padang heißt einfach nur "Feld", offiziell heißt der Platz heute Dataran Merdeka – "Platz der Unabhängigkeit". Auf diesem Platz wurde am 31. August 1957 der Union Jack durch die malaysische Flagge ersetzt. Vielleicht damit die Briten es sich nicht spontan nochmal anders überlegen, ist die Flagge auf stattlichen 95 Metern Höhe angebracht. Sofort ins Auge springt auch das Sultan Abdul Samad Gebäude an der Ostseite des Platzes. In dem Gebäude aus dem 19. Jahrhundert war früher das Oberste Gericht und untergebracht. Heute ist es Sitz einer malaysischen Ministeriums.

Auch zwei Museen finden sich unweit des Platzes: Die KL City Gallery und das Nationale Textil-Museum. In beide Museen durfte ich mit der Gruppe einen Blick werfen. Die City Gallery enthält neben Bildern auch einen unglaublich detaillierten, handgefertigten Nachbau der Stadt. In einer audiovisuellen Show werden anhand des Modells die Sehenswürdigkeiten der Stadt präsentiert. Hier erfuhr ich auch, dass die Petronas Towers bald nicht mehr das höchste Gebäude der Stadt sein würden. Der Merdeka PNB 118 Tower soll 2022 eröffnet werden und unglaubliche 644m hoch werden.

Ganz so hoch kam ich nicht, aber nach der Tour war ein anderer Turm mein nächstes Ziel: Der Menara KL ist der Fernsehturm der Stadt, und hier kann problemlos auch ohne tagelange Reservierung hinauf. Wiedermal zeigt sich die unglaubliche Kreativität in der Namensgebung – "Menara" heißt einfach nur "Turm". Alleine schon der Weg zum Fuß des Turms ist die Reise wert, er steht nämlich inmitten eines kleinen Waldes mitten in der Stadt, inklusive eines Baumkronenpfads, und jeder Menge Bambus. Der Turm selbst ist 421m hoch, die Aussichtsplattform immerhin auf 276m. Immer noch hoch genug, um über die meisten umliegenden Gebäude drüber zu schauen. Seht selbst!


Den Nachmittag verbrachte ich dann etwas außerhalb des Stadt bei den Batu Caves, den "Steinhöhlen". Dabei handelt es sich um eine Reihe von Hindutempeln, die in Höhlen errichtet wurden. Vom Hauptbahnhof aus fährt man eine knappe halbe Stunde dorthin. Sofern man bereits ein Ticket hat – die Schlange am unglaublich vollen Bahnhof war schier endlos. Trotzdem meinen vollen Respekt an die Mitarbeiter, es ging schneller als erwartet!

Nach der supervollen Bahn war das weitläufige Gelände der Batu Caves erstmal sehr angenehm. Ähnlich wie in Ratchaburi handelt es sich hier um eine Kalklandschaft, wo in sonst flacher Gegend recht hohe Kalksteinberge aufragen. "Bewacht" werden die Höhlen von goldenen Pferden und einer riesigen, blauen Hinduskulptur. Die Batu Caves erstrecken sich über mehrere Höhlen, die erste, die ich anschaute, war aber gleich die größte und beeindruckendste. Verschiedene hinduistische Sagen wurden hier im Innern mit lebens- und überlebensgroßen Skulpturen nachgestellt und in vielen Farben beleuchtet.
Doch nicht nur unterirdische Höhlen gibt es hier, über hunderte Treppen kommt man in eine kathedralenartige Halle, die nach oben offen ist. Auch hier gibt es einen Gebetsschrein, und obendrein noch eine super Aussicht hinunter auf den "Marktplatz" der Batu Caves.

Mit der erneut vollen Bahn fuhr ich danach zurück in die Stadt und ins Hostel, bevor es am nächsten Tag weiter in den Nationalpark Taman Negara ging.

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