Taman Negara ist mit einem geschätzten Alter von 130 Millionen Jahren einer der ältesten Regenwälder der Welt und der älteste sowie einer der größten Nationalparks Malaysias. Auf Malay heißt bedeutet der Name einfach nur "Nationalpark".
Der Ausflug in den Taman Negara war meine einzige "All inclusive"-Tour in Malaysia. Darin enthalten waren die Busfahrt von Kuala Lumpur nach Kuala Tembeling und zurück, die Bootsfahrt nach Kuala Tahan, die Unterkunft im Hotel vor Ort, sowie geführte Führungen innerhalb des Nationalparks. Es wäre auch hier nicht wirklich ein Problem gewesen, das alles selbst zu organisieren, gerade am Ende der Reise tat es aber auch mal gut, sich um nichts kümmern zu müssen.

Die Busfahrt war unspektakulär, zunächst fuhr ein großer Bus von KL zur Basis der Organisation in Jerantut, wo es Mittagessen gab, dann ging es mit Kleinbussen weiter nach Kuala Tembeling. Ab hier wurde es dann abenteuerlich. Bis zum Herzen des Parks galt es, den Fluss Tembeling hinabzufahren. Die Fahrt dauert etwas über zwei Stunden, in einem Boot, das nicht sonderlich stabil aussieht, und wo die Gischt ständig für Abkühlung sorgt. Ein würdiger Beginn für den Ausflug in den Regenwald! Recht bald sah ich das erste Highlight am Ufer: Eine Herde Wasserbüffel, die uns seelenruhig zusahen, wie wir über den schlammigen Fluss fuhren. Außerdem sah ich Papageien und leuchtend blaue Vögel, die über die Wälder flogen. Richtig cool!



Im Dorf angekommen, checkte ich zunächst ins Hotel ein, bevor ich das Hotel und die Umgebung erkundete. Nach dem Abendessen folgte dann zugleich das nächste Highlight: Eine Nachtwanderung durch den Regenwald. Der Höhenunterschied von über 1,500m Meter im Vergleich zum Wald in den Cameron Highlands macht sich bemerkbar: Der Wald sieht hier völlig anders aus. Die Bäume wachsen höher, das Gestrüpp ist viel dichter, es gibt mehr Lianen und andere Insekten. Der Rattan, den es in den Highlands nur vereinzelt gab, ist hier allgegenwärtig. Viele der Insekten sind nachtaktiv, daher ist es durchaus sinnvoll, auch mal nachts den Wald zu erkunden. Ich sah etliche Spinnen und Schmetterlinge, Tausendfüßler und – mein persönliches Highlight – die "Stick Animals" (auf deutsch Stabschrecken), die entweder so aussehen wie ein Blatt oder ein Zweig und damit kaum zu erkennen sind.

Im Anschluss an die Nachtwanderung lief ich zusammen mit meinem Zimmerkollegen nochmals aus dem Dorf hinaus, um den Sternenhimmel zu bewundern. So weit entfernt von der Zivilisation ist die Lichtverschmutzung minimal, sodass die Milchstraße einwandfrei zu sehen war, fast wie auf der neuseeländischen Südinsel!


Am nächsten Morgen ging es erneut in den Regenwald, diesmal bei Tageslicht. Vom Dorf aus führte die Wanderung hinoch auf den Bukit Terisek, ein kleiner Berg, von dem aus man eine geniale Sicht hinunter auf den Wald und den Fluss hat. Der tropische Regenwald ist der beeindruckenste Lebensraum, in dem ich jemals war. Es gibt so unglaublich viele verschiedene Pflanzen, die sich den begrenzten Platz teilen und optimal ausnutzen, sodass fast jeder Zentimeter ausgenutzt wird. Es gibt unendlich viele Insektenarten. Kleine Ameisen in unglaublicher Menge und riesengroße Ameisen, die drei bis vier Zentimeter lang werden. Und es gibt hier noch Tiger – auch wenn man diese als Mensch praktisch nie zu Gesicht bekommt, da sie einerseits sehr selten geworden sind und auch sehr scheu sind. Elefanten bekommt man selbst auch nicht zu Gesicht, sehr wohl aber deren Hinterlassenschaften, die eine beachtliche Größe haben, hier unten könnt ihr den Vergleich mit meinem Schuh sehen!

Während die Gruppe danach auf dem gleichen Weg direkt zum Hotel zurückkehrte, beschloss ich, zusammen mit einem Ecuadorianer noch eine Weile im Wald zu bleiben und eine längere Route zurück zu nehmen. Bis zum Nachmittag war sowieso kein Programm mehr geplant, und so oft bekommt man nicht die Gelegenheit, den Regenwald zu erkunden! Und es hat sich mehr als gelohnt. Wir sahen Bäume, die man zu viert nicht umschließen könnte. Schmetterlinge und Libellen in allen möglichen Farben. Und wir konnten das "Recyclingsystem" des Waldes bewundern. Wenn ein Baum stirbt oder umfällt, wachsen bald darauf aus den Wurzeln bereits die nächsten Pflanzen, die die Nährstoffe darin direkt verwerten, wie im zweiten Bild unten die Bananenpflanzen. Aus Elefantendung wachsen schnell schon wieder die ersten Pilze, sodass nichts verloren geht an Energie und kein Müll zurückbleibt. Da können wir Menschen uns noch viel von abschauen! Das Highlight der Wanderung waren allerdings zwei Warane, die wir gerade noch sehen konnten, bevor sie im Dickicht verschwanden. Warane sind große Echsen, die Exemplare, hier waren ungefähr anderthalb Meter lang. Leider waren sie zu schnell wieder verschwunden, als dass ich ein Bild hätte machen können.

Ein weiteres interessantes Tier hier sind Blutegel. Sie tummeln sich vermehrt dort, wo Wasser ist, also in Pfützen oder nahe des Flusses, sind aber eigentlich im ganzen Wald zu finden. Beide Enden des Wurmkörpers haben einen Saugnapf, sodass es sehr witzig aussieht, wie sie sich fortbewegen. Ein Saugnapf saugt sich am Boden fest, während das andere Ende sich in einer Ringelbewegung nach vorne bewegt. Dann saugt sich dieses Ende am Boden fest und das andere Ende geht weiter nach vorne und so weiter. Sehr lange war mir nicht klar, dass es sich bei diesen lustigen Würmern um Blutegel handelte, bis ich, fast schon wieder zurück im Dorf, mal meinen Fuß anschaute. Die Socke war voller Blut, es sah recht übel aus, dabei hatte ich überhaupt nichts gespürt. Die Egel beißen sich in der Haut fest und injizieren zunächst einmal ein leichtes Betäubungsmittel, sodass man wirklich nichts mitbekommt von den kleinen Blutsaugern. Manchmal kann es einen Tag später dann anfangen zu jucken, ich merkte aber auch später nichts davon. Die Egel am Fuß hatten sich schon wieder fallen lassen, ein Egel ist aber mein Bein bis zum Oberschenkel hochgekrabbelt. Dieses Exemplar seht ihr im letzten Bild unten – ganz schön beeindruckend wie viel kleinen Würmer an Blut aufnehmen können! Übrigens sind Blutegel harmlos, es kommt sehr selten vor, dass sie Krankheiten übertragen, etwa wenn sie vorher bereits ein infiziertes Tier befallen hatten.


Nachmittags ging es dann erneut ab ins Boot. Während der Verlauf des Flusses bis zum Dorf noch sehr ruhig war, folgen flussaufwärts ein paar Stromschnellen. Dementsprechend nass ging es auch zu! Wir fuhren etwa 20 Minuten, bis zu einer Siedlung eines indigenen Volkes. Dieser Stamm lebt noch überwiegend traditionell, obwohl er in Kontakt mit der Zivilisation steht. Daher zieht es auch viele der Kinder hinaus aus dem Wald und in die Städte, wahrscheinlich wird es dieses Volk so in einigen Jahrzehnten nicht mehr geben. Die Hütten werden überwiegend aus Rattan und Bananenblättern gebaut. Während der kurzen Führung durch das Dorf wurden Instrumente aus allen möglichen Naturmaterialien sowie die Kunst des Feuermachens mit Hilfe von einem speziellen Pilz, dem Zunderschwamm, und einem Stock vorgeführt. Auch dieser Ausflug war eine sehr interessante Erfahrung, ich hoffe, dass dieses Volk noch lange in Ruhe hier leben kann!

Der Ausflug zum indigenen Volk war das letzte Highlight meiner Regenwalderkundung. Am nächsten Morgen ging es auf dem gleichen Weg wie ich gekommen bin, wieder zurück nach Kuala Lumpur. Dort blieb ich noch einen halben Tag, bevor ich mich zum letzten Ziel meiner Reise, Malacca, aufmachte.

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