"Boah, ist das angenehm" war das erste, was ich gedacht habe, als ich in Tanah Rata aus dem Bus stieg. Tanah Rata ist der größte Ort der Cameron Highlands, eine Bergkette in Nordmalaysia. Der Ort liegt bereits auf 1,440m Meereshöhe, was bedeutet, dass es das erste Mal seit Wochen draußen nicht unerträglich schwül war. Eine mehr als willkommene Abwechslung!
Von der Busstation aus suchte ich zunächst mein Hostel, das sich als hell, sauber und sehr gemütlich herausstellte. Es war erst früher Nachmittag, daher erkundete ich direkt den Ort. Tanah Rata bedeutet "flacher Untergrund", begründet durch die Lage auf einem Plateau innerhalb der sonst ziemlich steilen Highlands. Der Ort hat etwas über 10,000 Einwohner, die sich aber über ein ziemlich weites Gebiet erstrecken, sodass ich den Hauptort recht schnell erlaufen hatte. Es ist schon ein touristischer Ort, aber es nicht übertrieben spürbar.


Interessanter als der Ort ist seine Umgebung. Um Tanah Rata gibt es insgesamt 14 ausgewiesene "Jungle Trails", also Wanderwege durch den Dschungel. Da der Tag doch schon etwas fortgeschritten war, suchte ich mir einen der kürzeren heraus, der zu den Robinson Wasserfällen führte.

Neben den Wasserfällen sah ich wilde Bananenpflanzen, Schmetterlinge in unzähligen Farben und Formen, Farne aller Art und unglaublich viele verschiedene Pflanzen, die ich nie zuvor gesehen hatte.


Für den nächsten Tag hatte ich eine geführte Tour mit den Highlights gebucht, die die Highlands zu bieten haben. Zunächst ging es in den Mossy Forest auf über 2,000m hinauf, dann in eine Teeplantage und zuletzt durch den Regenwald. Mein Guide für den Tag war Satya, der in den Highlands aufgewachsen ist. Seine Lebensgeschichte ist super interessant. Seit er 13 Jahre alt war, ging er wandern, zunächst in den benachbarten Highlands, später auch anderswo in Malaysia. Fotografieren faszinierte ihn schon immer, er war früh neidisch auf Touristen mit großen Kameras. Eher zufällig kam er dann dazu, selbst zu Fotographieren, indem ihm ein Freund gefragt hat, ob er bei einem Fotowettbewerb mitmachen wolle. Mit einer unterdurchschnittlichen Kamera schaffte er es, einen Vogel zu fotografieren, der ihn zu einem der Gewinner machte, die im Auftrag der Regierung bei einer Fototour teilnehmen durften. Ab diesem Zeitpunkt war er erstmal Fotograf, er hat noch einen weiteren Wettbewerb gewonnen, drei Jahre lang auf eine Nikon D1-Kamera gespart, und in Tibet, Nepal und China fotografiert. Heute macht er keine langen Touren mehr, wo er wochenlang in der Wildnis unterwegs ist. Dies ist einem Unfall in Borneo geschuldet, wo er 20m abgestürzt ist. Zunächst war er gelähmt, dann musste er vier Monate in die Physiotherapie. Heute kann er wieder problemlos laufen, hat sich aber entschieden, zurück in seine Heimatstadt zurückzukehren und Touristen die Schönheit der Highlands zu zeigen.

Der Mossy Forest oder Nebelwald war mit dem voll besetzten Jeep von Tanah Rata aus in ungefähr 20 Minuten erreicht. Durch die Höhenlage sammeln sich viele Wolken in den Bergen hier, sodass es sehr oft neblig und dadurch immer sehr feucht ist. Für viele Pflanzenarten wie Moose, Farne oder Orchideen ist das das perfekte Klima.
Hier oben wurde ein Rundweg mit Brettern angelegt, um die vielen Touristen vom empfindlichen Waldboden wegzubekommen. Tatsächlich war es ganz schön voll hier oben, alleine zu der Zeit als ich hier war, waren es ungefähr 10 Jeeps unterschiedlicher Unternehmen.
Ich hatte Glück, das Wetter war klar und die Fernsicht perfekt.


Der höchste Punkt in den Cameron Highlands ist 2,110 Meter hoch. Ganz so hoch ging es für mich nicht, aber die 2,000er Marke hatte ich geknackt.
Neben den vielen Moosen und Farnen zeigte Satya der Gruppe und mir auch einige spezielle Pflanzen. Dazu gehörte die Kannenpflanze, auf englisch Monkey Cup. Der deutsche Name ist dabei leicht zu erklären, denn die riesigen Blüten sehen tatsächlich aus wie Kannen. Der englische Name kommt daher, dass sich in den Blüten nach Regenfällen gerne das Wasser sammelt. Die Affen im Urwald nutzen den Kelch dann als genau das – als Trinkgefäß. Die Affen brauchen dabei nichts zu fürchten, kleinere Tiere wie Insekten, Frösche und Mäuse sollten allerdings auf der Hut sein, denn die Kannenpflanze ist fleischfressend. Der Saft innerhalb des Kelchs ist sehr sauer und enthält Enzyme, deren Dosierung ausreicht, um sogar Mäuse bewegungsunfähig zu machen und Insekten innerhalb von zwei Tagen komplett zu verdauen. Auch Ingwer, Pfeffer und Sternanis wachsen hier oben.


Nach dem Rundgang im nebellosen Nebelwald ging es wieder etwas tiefer zu einer Tee-Plantage. In den Highlands wird neben Kohl, Tomaten, Erbsen und Erdbeeren auch Tee angebaut. Von nahem sehen die Teeblätter ziemlich unscheinbar aus, das ist aber die Pflanze, aus der schwarzer, grüner und weißer Tee gemacht wird. Der hier angebaute Tee wird hauptsächlich direkt in Malaysia verkauft, und geht teilweise auch nach Indonesien und andere Länder Südostasiens, allen voran Thailand. Den internationalen Markt bedienen aber überwiegend Indien und Sri Lanka. Der Hauptgrund dafür sind die unglaublich niedringen Löhne in Indien. Ein indischer Teeplantagenarbeiter bekommt anscheinend nur 1,5€ pro Monat(!), während es in Malaysia im Bereich um 500€ liegt. Für unsere Verhältnisse immer noch sehr wenig, aber im Vergleich zu Indien nicht konkurrenzfähig. Dort werden die Teeblätter auch von Hand gepflückt, während die Ernte in Malaysia maschinell erfolgt. Die Qualität bei handgepflücktem Tee ist höher, da große Blätter schlechteren Tee ergeben, und die bei Handernte aussortiert werden können.

Der Unterschied zwischen grünen und schwarzem Tee entsteht nur durch die unterschiedliche Verarbeitung der Blätter. Die Blätter werden zunächst durch Rollen gepresst und zerkleinert. Schwarztee wird dann für 45 Minuten bis 3 Stunden fermentiert. Dabei sorgen Enzyme dafür, dass Bestandteile der Teepflanze mit Sauerstoff reagieren, was die dunkle Farbe erzeugt. Dieser Verarbeitungsschritt entfällt bei grünem Tee. Anschließend wird der Tee eine Zeitlang getrocknet um das Aroma zu verbessern.


An Nachmittag bestand unsere Gruppe dann nur noch aus Satya, mir und einer Australierin. Für zwei Stunden wanderten wir durch den Regenwald. Es war unglaublich lehrreich, da Satya ein breites Wissen über alle möglichen Pflanzen und Tiere hat, und sogar winzige Spinnen auf dem Waldboden findet.

Obwohl nur (noch) 8% der Erdoberfläche aus Regenwald bestehen, finden sich dort - je nach Schätzung - 50-90% aller weltweit bekannten Arten von Tieren und Pflanzen. Sehr viele der Pflanzen haben eine medizinische Wirkung.

Dazu gehört auch der Rattan, der botanisch zu den Palmen gehört. Er ist sehr vielseitig einsetzbar, das Rohr kann zum Filtern von Wasser eingesetzt werden. Es ist gleichzeitig flexibel, aber auch stabil. Daher wurde und wird es häufig zum Bau von Flößen, Möbeln und einfachen Häusern eingesetzt. Die Stacheln können bis zu 12 Zentimeter lang werden. Daneben habe ich viele der Pflanzen aus dem Tropical Spice Garden noch einmal im "echten" Wald gesehen. Dazu gehören Citronella, Zimt, Pfeffer, Sternanis und einige Orchideenarten.

Auch Insekten gab es unglaublich viele. Dazu gehörten Ameisen, Spinnen, Schmetterlinge, Käfer und ein super cooler schwarz-orangener Tausendfüßler, wobei die allermeisten Insekten für mich sicherlich unsichtbar blieben.

Auch Kunst kann man hier auf dem Waldboden entdecken. Ein Blatt, das bis auf das Gerippe aufgegessen wurde kann unglaublich schön aussehen. Leibhaftige Enten gibt es hier zwar nicht, dafür aber Stöcke, die die Natur einfach hat aussehen lassen wie eine Ente. Und auch in Verbindung mit Technik können super Fotos entstehen. Und nein, das Foto ist nicht in Zusammenarbeit mit Oneplus entstanden!


Nach den supervielen Infos ging es erstmal zurück ins Hostel. Dort verabredete ich mich mit einem Spanier und einem Sudanesen, am nächsten Morgen früh auf den Gunung Berembun zu laufen, einem 1,840 Meter hohen Berg. Die Idee, direkt morgens aufzubrechen, erwies sich als Volltreffer. In der goldenen Stunde sah der Wald noch märchenhafter aus als tags zuvor. Aber seht selbst!

Kaum zurück im Hostel traf ich Filip aus Prag, den ich auch zuvor im Hostel schon kennengelernt hatte, und der gerade auch zu einer Wanderung in den Dschungel aufbrechen wollte. Spontan schloss ich mich nochmal an, um einen weiteren Teil des Dschungels zu erkunden. Tatsächlich sah dieser Wald anders aus als die, in denen ich bisher war. Ein paar hundert Meter Höhenunterschied machen hier einen großen Unterschied, der Boden war verwurzelter es gab mehr Schlingpflanzen und interessante Früchte. Dazu gehörten Früchte, die wie winzige Avocados aussahen, also eine dunkelgrüne, harte Schale mit hellgrünem, weichem Inneren und einen harten Kern haben.

Das war dann aber auch tatsächlich meine letzte Wanderung im Dschungel, am nächsten Tag ging es dann mit dem Bus weiter in die malaysische Hauptstadt, Kuala Lumpur. Die Cameron Highlands hatten mir mal wieder die unglaubliche Schönheit und Vielseitigkeit des Waldes gezeigt. Da können Betonwüsten definitiv nicht mithalten!


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